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Abschluss EBmooc 2017

Nach 6 Wochen ist nun der EBmooc 2017 zu Ende gegangen. Mehr als 2.500 Erwachsenenbildner_innen beschäftigten sich mit digitalen Tools und Methoden.

WerdeDigital.at hatte ein Modul zur Online-Beratung mitgestaltet sowie die Moderation der begleitenden Webinare übernommen.

Im Juni findet ein Reflexionstreffen am BIFEB in Strobl am Wolfgangsee statt. Dieses wird auch live und interaktiv ins Netz übertragen.

Nicht nur dort wird über eine Fortsetzung der nun begonnenen Aktivitäten nachgedacht.

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10. April 2017Blog

WerdeDigital.at gratuliert Ingrid Brodnig…

…und wünscht ihr viel Erfolg bei ihrer Aufgabe als Digital Champion.

Heute am 10. April 2017 wurde die Journalistin Ingrid Brodnig von Staatssekretärin Muna Duzdar der Öffentlichkeit als neuer „Digital Champion“ präsentiert.

2012 wurde die Initiative „Digital Champion“ von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen. Die Wirtschaftsinformatikerin Meral Akin-Hecke hat die Funktion seit Sommer 2013 für Österreich ausgeübt und diese nun offiziell niedergelegt: „Ich freue mich, dass diese Rolle in Österreich fortgeführt wird und hoffe auf gute Zusammenarbeit mit Ingrid Brodnig“.

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4. April 2017Blog · Oberösterreich

Alltag mit Bits & Bytes – Diskussion am 27.4. um 18 Uhr in Linz

Am 27.4. ist WerdeDigital.at zu einer Podiumsdiskussion in Linz eingeladen worden: „Alltag mit Bits & Bytes

Im Jahr 1991 ging die erste Webseite am CERN online, weniger als 25 Jahre später wurde die 1-Milliarde-Webseiten-Grenze durchbrochen. Die Entwicklungen seit damals prägen unser Leben und unsere Gesellschaft in vielfältiger Weise. Beim Zukunftsgespräch diskutieren wir Auswirkungen dieser Entwicklungen auf unser tägliches Leben:

• Was wird uns als „digitale Bürgerinnen und Bürger“ erwarten?

• Welche digitalen Kompetenzen brauchen wir im Alltag jetzt und in Zukunft?

• Welche Wechselwirkungen entfalten umfassende digitale Alltagskompetenzen?

Eine Anmeldung ist noch bis zum 20.4. möglich.

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EBmooc mit 2.000 Teilnehmenden gestartet

Gestern am 6.3.2017 startete der EBmooc, der sich mit digitalen Werkzeugen und Formaten für die Erwachsenenbildung beschäftigt. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen sind noch möglich.

 

Inhalte des Online-Kurses

  • Lernen im MOOC und in Webinaren
  • IKT-Tools für die tägliche Arbeit rund um ein Bildungsangebot
  • Social Media in der Erwachsenenbildung
  • Blended Learning und eLearning in der Erwachsenenbildung
  • Offene Bildungsressourcen für die Erwachsenenbildung
  • Lernberatung mit Online-Unterstützung

WerdeDigital.at ist auch Teil des MOOC-Teams und insbesondere für die 4 begleitenden Webinare zuständig. Morgen, Donnerstag, 8.3. um 16.30 ist der erste Webinartermin.

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10. Februar 2017Blog · Dossier 3 - Gesellschaft · Dossiers

Digitale Bürgerbeteiligung und Beteiligungskultur in Österreich – Dossier 3, Beitrag #10

Anfang 2017 einen Beitrag zu einem Dossier zu e-Partizipation zu verfassen, ist aus mehreren Gründen spannend. Im letzten Jahr durften wir in Österreich die starke Polarisierung der politischen Diskurslandschaft während des rund 12 Monate langen Wahlkampfs für die Bundespräsidentschaft miterleben. Auch werden die Wirkungen von Falschmeldungen und Social Bots, genauso wie die Funktion von Echokammern, immer genauer untersucht. Sich mehr mit Personen im Internet zu umgeben, welche die eigene Meinung teilen, scheint ein zu tiefst menschliches Verhalten zu sein, das durch Algorithmen von Sozialen Medien verstärkt wird. In Summe erleben wir durch die digitalen Reichweiten ein viel rascheres Anheizen gesellschaftlicher Stimmungen, als dies beispielsweise vor 10 Jahren bei Gesprächen in einem Wirtshaus der Fall war. Doch was bedeutet das alles für digitale Beteiligungsangebote von Verwaltung und Politik und die Beteiligungskultur in Österreich? Nach einigen Jahren der digitalen Pilotprojekte zeichnet sich in Österreich eine zarte Struktur von verwaltungsseitiger e-Partizipation ab. Was haben diese gemeinsam und was unterscheidet sie?
Im Unterschied zu direktdemokratischen Methoden, die mit geschlossenen Ja/Nein-Fragen tendenziell zur Polarisierung beitragen, und zu repräsentativen Wahlverfahren, versuchen partizipative Verfahren in konsultativen Prozessen Entscheidungen mit höherer Qualität vorzubereiten, den Dialog zwischen BürgerInnen, Politik und Verwaltung zu verbessern und die Demokratie zu stärken.

Die zarte Struktur kommunaler e-Partizipation in Österreich

Digitale Partizipationsangebote, die in Österreich von Verwaltung oder Politik in den letzten 10 Jahren angeboten wurden, können grob in drei Kategorien unterteilt werden:

1. Bürgerbeteiligung mit laufendem Angebot, wie Schadensmeldungen per Handyapp oder Internet zu erfassen, und Rückmeldungen der Verwaltung zur Umsetzung erhalten, wo beispielsweise Wörgl oder Linz Vorreiter waren. Andere Verwaltungseinrichtungen bedienen sich für ihre Informationsarbeit Sozialer Medien, die manchmal auch als zwei Richtungs-Kommunikationskanal angelegt sind, wie in der Stadt Salzburg. Als laufende e-Partizipationsangebote etablierten sich auch Petitionsplattformen, bei denen BürgerInnen eine Petition in die Ausschüsse beispielsweise in den Nationalrat oder Wiener Gemeinderat zur Gesetzgebung einbringen können.
2. Als zweiter Bereich haben sich Online-Diskurse etabliert, die einem breiten Thema wie Verkehr, Umwelt, Jugend, Integration oder Zukunft des ländlichen Raums folgen. Diese e-Partizipationsangebote versuchen oftmals ein Leitbild, Strategiepapier oder Programm im öffentlichen digitalen Diskurs zu erarbeiten. Als Beispiele können der Strukturierte Dialog, die Wiener Charta, Meine Idee für die Oststeiermark oder auch die Digitale Agenda angeführt werden.
3. Im Gegensatz dazu stehen sehr konkrete kommunale Projekte, oftmals aus der Stadtplanung oder Regionalentwicklung. Sie haben den Vorteil, dass sie wegen ihres Bezugs zu Orten, Stadtteilen oder Gebieten eine gute Anknüpfbarkeit an die Umsetzung ermöglichen, sofern sie frühzeitig erfolgen. E-Partizipations-Verfahren aus diesem Bereich sind beispielsweise die Neugestaltung Schwedenplatz oder die Entwicklung des Linzer Hafens.

Und natürlich gibt es zahlreiche weiterer Formate, die in dieser Systematik nicht einordenbar sind, wie laufende e-Partizipationsformate der Agenda 21, die zwischen lokaler Politik und BürgerInnen vermittelt, oder Schülerhaushalte, in denen die Vorschläge und Umsetzungsmöglichkeiten für Verbesserungen online diskutiert und Listen und Wahlzettel darüber ausgedruckt werden und danach die eigentliche Wahl vor der Urne erfolgt.
Wer einen Zahlenvergleich zwischen Deutschland und Österreich anstellt, dem wird der gravierende Unterschied bei Anzahl und Art der e-Partizipationsangebote der Verwaltung auffallen: Treiber für digitale Beteiligungsprojekte in deutschen Kommunen waren und sind die über 400 Bürgerhaushaltsverfahren, fast alle mit einer digitalen Komponente. In Österreich spielen diese noch keine Rolle. Stärker vertreten waren die laufenden Partizipationsangebote, mit ihrer Nähe zu e-Government, wie auch allgemeine Online-Dialoge. Die oben dargestellte dritte Kategorie zu konkreten kommunalen Projekten verzeichnet die wenigsten e-Partizipationsprojekte. Eine Erfassung aller digitalen und vor Ort-Partizipationsprojekte für Österreich gibt es nicht. Für Wien kann man jedoch über die Bürgerbeteiligungs-Zusammenschau bis 2011 auf Wien Gestalten eine deutliche Zunahme von gestarteten Beteiligungsverfahren erkennen. Ab 2012 finden sich dort weniger neue Beteiligungsprojekte.

Qualität schützt vor frustrierten BürgerInnen

Was ist mit den vielen anderen Online „Mach mit“-Angeboten, die von Unternehmen, Organisationen oder Initiativen ins Leben gerufen werden? Hans Hagedorn, Beteiligungspraktiker aus Deutschland, sieht die Inflation von Beteiligungsverfahren mit unklarer Abgrenzung zwischen Akzeptanzbeschaffung und Dialog als massives Problem und möchte mit einem „Design Award“ Qualität sicherstellen. Für BürgerInnen, die an ihrer Gemeinde, Stadt oder ihrem Land mitgestalten wollen, ist die direkte Anbindung an laufende politische-administrative Planungs- und Entscheidungsvorbereitungen wichtig. Zusätzlich haben sich als Qualitätsmerkmale für Partizipation die Frühzeitigkeit des Verfahrens, ein klarer Gestaltungsspielraum, die Vielfalt der Beteiligten, ein professioneller Rahmen und eine nachvollziehbare Rechenschaft etabliert.
Gerade bei den letzten drei Qualitätskriterien kann Online-Bürgerbeteiligung ihre Stärken ausspielen. Die Heterogenität der Teilnehmenden kann optimaler Weise durch die intensive Bearbeitung unterschiedlicher Kommunikationskanäle wie beispielsweise über Soziale Medien hergestellt werden. Die Chance mit Menschen orts- und zeitunabhängig in Kontakt zu treten und so unter anderem dem Ort verbundene Personen anzusprechen, die weggezogen sind, ist sogar nur online möglich. Klarerweise geht ohne crossmedialer Öffentlichkeitsarbeit und Motivation zur Teilnahme auch ein E-Partizipationsangebot im Trubel der Medienlandschaft unter.Zu einem professionellen Rahmen , nebst der Verzahnung von vor Ort- und Online-Beteiligung die kompetente Moderation von Online-Plattformen, wie auch begründete Rückmeldungen an die Teilnehmenden. Damit gelingt auch eine diskursive Entwicklung von Argumenten. Das „Recht haben wollen“, wie es in Online-Foren zu beobachten ist, tritt in den Hintergrund.
Zusätzlich ermöglicht das Internet die einfache Zugänglichkeit zu den eingelangten digitalen und vor Ort-Beiträge, wie auch die Begründungen zu den Entscheidungen. Wenn der Zugang zu diesem „Beteiligungsgedächtnis“ auch nach Verfahrensabschluss erhalten bleibt, unterstützt dies die Transparenz und Glaubwürdigkeit des Verfahrens.

Messen mit dem richtigen Maßstab

In der ersten Euphorie digitaler Partizipations-Pilotprojekte, kam es auch in Österreich zu zahlreichen Verwechslungen. Beteiligungsprozesse wurden so kommuniziert, als würden die BürgerInnen selbst die Entscheidung über ein Projekt treffen. Manche Online-Votings verstärkten diesen Eindruck. Tatsächlich dienen sie für das Erarbeiten von Grundlagen zu politischen Entscheidungen – und das funktioniert unter Berücksichtigung der beschriebenen Qualitätskriterien auch im Internet sehr gut. In Pressemeldungen wird e-Partizipation gerne mit Kennzahlen aus anderen demokratischen Verfahren verglichen. Online-Bürgerbeteiligung hat nicht den Anspruch auf hohe Beteiligungszahlen, sondern auf ein qualitativ hochwertiges Ergebnis und einen besseren Dialog zwischen den Beteiligten. Die Forschung spricht hier von Kennzahlen aus dem E-Governance, die für Vergleiche mit digitalen Beteiligungsangeboten weitaus besser geeignet sind. Im Vordergrund steht dann Information, Wissensaustausch und Zusammenarbeit und weniger die Beteiligung möglichst aller BürgerInnen.

Partizipation als wirkungsvollste Prophylaxe gegen Populismus

Und was bringen nun Beteiligungsprozesse tatsächlich? Flächendeckende Untersuchungsergebnisse sind erst unlängst von der Deutschen Umweltstiftung veröffentlicht worden. Im Jahr 2016 gaben 458 PraktikerInnen aus kommunalen Beteiligungsprojekten Auskunft über ihre Erfahrungen. 96% haben demnach eine positive Erwartung an die weitere Entwicklung von Bürgerbeteiligung. Für die Motivation einen Beteiligungsprozess anzubieten, waren demnach das Bearbeiten von Konflikten, die Förderung von Akzeptanz und Stärkung der Demokratie durch Emanzipation bzw. Legitimation, wie auch die Qualitätsverbesserung zentral.

Gerade in der Verwendung von Partizipation zur Legitimationsbeschaffung sieht der Leiter der Deutschen Umweltstiftung, Jörg Sommer, eine Gefahr. „Partizipation erst dann zu planen, wenn ein Projekt an die Wand gefahren ist, … nimmt ihr ihre natürliche Stärke: die Entwicklung kollektiver kreativer Gestaltungskraft. In der Öffentlichkeit wird Partizipation so stets mit Problemen assoziiert – und nicht mit Perspektiven. Dabei ist Partizipation weit mehr als ein Pflaster für politische Schürfwunden. Partizipation ist die wirkungsvollste Prophylaxe gegen Populismus.“

Praxis in Österreich: Arbeiten am Kulturwandel

Was sagen PraktikerInnen aus Österreich? Ein kurzer Rundruf zeigt folgendes Bild. Rita Trattnigg, Leiterin des Instituts für kulturellen Wandel, zeigt drei Herausforderungen auf, ohne deren Lösung digitale und vor Ort-Bürgerbeteiligung sich nicht entwickeln kann:

• Erlernen einer Rückmelde-Kultur zwischen Politik, Verwaltung und BürgerInnen
• Entwicklung eines Erwartungs-Managements
• Zur Verfügung stellen von Ressourcen für das Durchführen von Beteiligungsprozessen

Sibylla Zech, Professorin für Raumplanung und Beteiligungspraktikerin bei stadtland, unterstreicht die Chance über das Internet rasch Themen sammeln zu können, wie auch der Möglichkeit Stimmungsbilder abzuholen. Robert Lender, Leiter des Kompetenzzentrums Jugend im BMFJ, hebt die Chance von digitalen Beteiligungsprozessen als diskursive Formate hervor – vorausgesetzt Kommunikationsarbeit, Online-Moderation und Technik unterstützen diese Aushandlungsprozesse.
Berater der ÖAR-Regionalberatung, Hermann Gigler, sieht bei manchen Verfahren „Scheinbeteiligung“ im Vordergrund, die zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung führt und damit Vertrauen für viele Jahre verspielt. E-Partizipation ist für Gigler eine zentrale Möglichkeit Menschen einzubinden, die nicht vor Ort sein können. Er empfiehlt mit einfachen digitalen, wie analogen Prozessen zu starten und Ressourcen dafür wie auch für die Umsetzung der Ergebnisse zu planen.

Literatur:

• Brückner, Maria & Märker Oliver; E-Partizipation: Elektrifizierung der Bürgerbeteiligung; in: Standort – Zeitschrift für Angewandte Geographie, 2015, S. 112-119, kostenpflichtiger Download
• Hagedorn, Hans; Der “Design Award” für Partizipation, Beteiligungsblog, 2016
• Kolleck, Alma; Kommunale Online-Beteiligung: Stand und Herausforderungen; in: Der Bürger im Staat – Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, 4/2014, S. 238-245; Freier Download
• MA 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung, Praxisbuch Partizipation: Gemeinsam die Stadt entwickeln, 2013, 124 Seiten mit Methodenraster inkl. digitaler Formate; Freier Download
• Sommer, Jörg (Hrsg.); Kursbuch Bürgerbeteiligung. Mit Adressverzeichnis und Methodenkatalog, Verlag der Deutschen Umweltstiftung, 540 Seiten, 2015; Freies e-book
• Sommer, Jörg; Mehr Partizipation denken!; Beteiligungsblog, 2016

Bio:
Der Autor, Peter Kühnberger, setzt seit über zehn Jahren digitale und vor Ort-Beteiligungsprojekte bei Dialog Plus um.

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NoHateSpeech ist sowas von 2016 – Dossier 3, Beitrag #9

In der erlauchten LeserInneschaft Personen zu finden, die 2016 dem Thema Hass im Netz nicht begegnet sind, ist sehr unwahrscheinlich. Medien, NGOs und die Politik haben diesen Begriff verwendet und je nach Interessenlage mit Inhalten aufgeladen. Die Botschaft ist klar – wir sind gegen Hassrede im Internet. Doch die Mittel zum Umgang sind verschieden und die einhergehenden Herausforderungen werden sehr unterschiedlich aufgefasst. Eines hat sich schon abgezeichnet: Ohne einen Schulterschluss aller interessierten Kräfte und ohne konsequenter Bewusstseinsbildung wird diesem Phänomen nicht beizukommen sein.
Dieser Beitrag soll einen Überblick geben und zur vertiefenden Auseinandersetzung einladen. Die gute Nachricht: Es gibt einige Initiativen, die beispielhaft vorangehen und handeln. Mein persönliches Anliegen ist eine Begriffswendung weg vom Hass, dem wir sprachlich machtlos ausgeliefert sind, hin zu einer Digitalen Courage, die uns Wege im Umgang mit dieser Netzkultur weist.

Und jetzt doch eine kurze Begriffsdefinition: „Hate Speech ist, wenn man Worte und Bilder als Waffe einsetzt, bewusst, gezielt und voll auf die Zwölf. Wenn Menschen abgewertet, angegriffen oder wenn gegen sie zu Hass oder Gewalt aufgerufen wird, dann nennt man es Hate Speech. Oft sind es rassistische, antisemitische oder sexistische Kommentare, die bestimmte Menschen oder Gruppen als Zielscheibe haben“ (hier zu finden). Viele dieser Meldungen und Kommentare verlassen nicht nur den Pfad des guten Geschmacks sondern auch den gültigen Rechtsrahmen. Sie schaffen Zerrbilder der Realität und schrecken auch nicht davor zurück zu lügen.

Relevanz durch Verbreitung

Die teilweise sehr rau formulierten Meldungen sind in der Netzkultur nichts neues. Wir alle kennen die unglaublich langen Diskussionen unter Newsbeiträgen von fragwürdigen Plattformen, in denen sich Personen mal mehr, mal weniger qualifiziert unter teilweise kreativen Namen mit ebenso haarstäubenden Thesen einbringen. Doch hat sich durch die laufende Technologisierung eine neue Kultur etabliert. Netzwerke wie Facebook sind neue Verteilerzentren für Inhalte mit geringer, bis teilweise vollkommen fehlender Qualitätssicherung. Anbieter fragwürdiger Inhalte finden dort nicht nur LeserInnenschaft, sondern auch die Personen/Accounts, die zur Weiterverbreitung anregen. Gepaart mit einer stabilen Netzgläubigkeit breiter gesellschaftlicher Schichten und dem Phänomen Suchmaschine, werden neue Wahrheiten geschaffen. In manchen Fällen werden Falschmeldungen von uns sogar als lustig empfunden. Das Hereinfallen beispielsweise auf Beiträge der Satireplattform „DieTagespresse“ gehört sicher zu den Aha-Erlebnissen von durchaus aufgeklärten und kritisch lesenden Menschen. Sobald solche Falschmeldungen die Satire verlassen und von populistischen und hetzerischen Strömungen genutzt werden, verlieren die Postings ihre Leichtigkeit und werden zu veritablen politischen Problemen.

Make your own Media – Hass ist keine Meinung

Wenn es zu einem Thema noch keinen Newsfeed gibt, wird eben einer geschaffen. Die Medienanbieter verfolgen teilweise das Interesse Unzufriedenheit in der Gesellschaft zu streuen. Abseits der Verwirrung durch Fehlinformation, lässt sich mit erfolgreichen „Falsch“-Meldungen sogar Geld verdienen. Im amerikanischen Wahlkampf wurde sichtbar, dass die Inhalte einerseits als politisches Wahlkampfmittel verwendet, andererseits aber auch aus rein monetären Interessen verbreitet wurden. Die VerbreiterInnen solcher Falschmeldungen überlegen nach den Hasskampagnen gegen PolitikerInnen als nächstes Thema Gesundheit und Ernährung zu nutzen, um Geld zu verdienen. Somit entstehen Inhalte, die bewusst politisch, oder rein nach kommerziellen Interessen geschaffen werden. In trauter Einigkeit mit Facebook, Twitter, Google & Co werden diese Meldungen meinungsbildend und bedrängen den klassischen Journalismus. Also wem noch vertrauen? Viele zivilgesellschaftliche Initiativen versuchen parallel zum Qualitätsjournalismus diese Contentbrille anzubieten – entweder durch Meldesysteme, oder durch Sensibilisierung.

mimikama Meldeplattform
Österreichisches Rotes Kreuz
Mauthausen Komitee
Neue deutsche Medienmacher
#aufstehn
Zara
Amadeu Antonio Stiftung
Bundestrollamt für gegen Hass im Netz

Die Sprache ist das Werkzeug

Erschreckend ist die ungewohnte Sprache mit oft vereinfachten Botschaften und teilweise infamen Lügen in den Texten. Die in solchen Diskussionen gelernte, bzw. gelesene Sprachkultur wirkt sich direkt und indirekt auf den Austausch in diesen Netzwerken aus. Plötzlich werden Worte und Formulierungen salonfähig, die entweder vorher noch niemand kannte, oder so nie über die jeweiligen Lippen gekommen wären.

Die Hassrede ist in der Geschichte ein viel verwendetes Mittel. In der Antike ist sie ebenso zu finden, wie im Sprachgebrauch eines Nationalsozialistischen-Regimes. Es ist ein stetiger Versuch die Sprache zu verändern, radikale Formulierungen zu etablieren. „Die so veränderte Sprache bleibt nicht immer nur in der Dimension des Textes stehen, Sprachentgleisungen schreiten nicht einfach nur unbegrenzt fort, an ihrem Höhepunkt angelangt bereiten sie vielfach eine neue Dimension vor, jene, in der die Tat in der Lage ist, das Wort zu überschreiten.“ (näheres auch bei Dr. Paul Sailer-Wlasits).

Es gilt auf die Verwahrlosung der Sprache hinzuweisen, es heißt diese Sprache selbst nicht zu verwenden, es heißt selbst Übersetzungen zu verwenden und Medien darauf aufmerksam zu machen, wenn sie in die Falle dieser einfachen Sprache tappen.

Der Algorithmus ist ein Hund

Ingrid Brodnig (Profiljournalistin und Buchautorin) hat in einem Beitrag darauf hingewiesen, dass jegliche Aufmerksamkeit für Inhalte durch Kommentieren, Liken und Teilen, automatisch deren Verbreitung fördern. Egal, ob es sich um eine positive, oder negative Auseinandersetzung handelt. Diese Sichtweise schlägt einen sehr radikalen Umgang mit negativen Meldungen vor – einfach ignorieren ist die Devise. Der Algorithmus ist das größte Geheimnis aller Community-Anbieter. Solange es um die Vorliebe der UserInnen für Katzen, Bergfotos, oder Landschaftsbilder geht ist die Idee der BetreiberInnen durchaus sinnvoll. Sobald es jedoch in Richtung politischer Meinungsbildung geht zeigt das Konzept Lücken. Eines ist klar: Die Systeme zielen darauf ab allen BenutzerInnen die Inhalte zu zeigen, die sie potentiell interessieren. Das bedeutet in der momentanen Ausprägung den Ausschluss alternativer Meinungen – somit anders denkender Menschen im eigenen Netzwerk. Hier sind die Plattformen und ProgrammiererInnen gefragt neue Lösungen anzubieten. Ohne der aktiven Veränderung dieser digitalen Echokammern ist es auch für versierte NetzbenutzerInnen schwer ein objektives Meinungsbild zu erhalten.

Moderation zählt

Die neu gewonnene Freiheit im Meinungsaustausch heißt Page, Forum, Gruppe etc. Durch Shitstorms haben auch die überzeugtesten VerteidigerInnen einer Idee die Lust verloren sich an Diskussionen zu beteiligen. Das Wort Troll (der mit provokanten Meldungen seine Angel auswirft und wartet wer anbeißt) alleine genügt nicht mehr. Wir sprechen auch von Glaubenskriegern, die für ihre Idee in den Diskussionen mit allen Mitteln eintreten. Neben dem Versuch den Personen eine Typologie zu geben, hat sich dadurch eine ganz neue Form der Moderation entwickelt. Alles nicht dem gesellschaftlichen Rahmen entsprechende wird ausgeblendet – also für LeserInnen nicht mehr sichtbar gestellt. Das bedeutet den Verlust der Leichtigkeit von diesen freien Diskussionsorten. In größeren Strukturen ist es ohne dieser neuen Dienstleistung nicht mehr möglich lesbare Diskussionen zu führen. Umgekehrt wird es von einigen Gruppierungen auch genutzt, um konkrete Stimmung in eine Richtung zu betreiben. Plötzlich bleiben teilweise bedenkliche Inhalte lesbar und beschwichtigende, relativierende Beiträge werden gelöscht (nachzulesen am Beispiel von Claus Schwertner)

Politischer Wille ist gefragt

Mit wenigen Ausnahmen hat die Politik das Phänomen erkannt. Die Problemlösungsansätze unterscheiden sich. Das Ziel ist in den meisten Fällen dasselbe – den negativen Trend umzukehren. Eine Europaratskampagne mit dem klingenden Titel „No Hate Speech Movement“ hat es sich zur Aufgabe gemacht zu informieren und zu sensibilisieren. Durch Länderinitiativen begleitet werden so neue Inhalte geschaffen, die der Radikalisierung entgegentreten, die rechte Hetze im Netz aufzeigen und der Aufgabe, ein Meldewesen zu etablieren, nachkommen. In der von Mario Lindner (ehem. Bundesratspräsident) initiierten Enquete #DigitaleCourage ist in vielen ExpertInnenbeiträgen augenscheinlich geworden, dass es abseits der stetigen Sichtbarmachung von Hass eine Bewegung braucht, die nicht gegen etwas, sondern auch für etwas eintritt. Also von der Machtlosigkeit des Hassbegriffs zu einer couragierten Empfehlungskultur führt. Bildungsministerin Hammerschmid stärkt für 2017 noch den Begriff der Digitalen Kompetenz mit dem theoretischen Modell ein eigenes Schulfach daraus zu machen. Im Bereich Netzkultur gibt es aus vielen Ministerien sehr konkrete Ansagen und Angebote. Im letzten Jahr haben sich abseits der bisher genannten auch Bundeskanzler Kern, die zuständige Staatssekretärin Muna Duzdar, die Familienministerin Sophie Karmasin, die Frauenministerin Sabine Oberhauser, der Justizminister Wolfgang Brandstetter mit durchaus interessanten Ideen zu Wort gemeldet. Die breite Einigkeit, dass es ein juristisches und gesellschaftliches Phänomen ist, lässt hoffen, dass in diesem Themenkomplex ressortübergreifend agiert wird.

Sagen wir 2017 doch #DigitaleCourage

Abschließend mein Plädoyer für eine Änderung im eigenen Sprachgebrauch. Der Fachterminus „Hassposting“ und „Hass im Netz“ scheint so in Stein gemeisselt, dass daran nicht zu rütteln ist. Alleine beim Schreiben dieses Beitrags wurde mir wieder bewusst wie kompliziert es wird, nicht die erwähnten Worte zu verwenden und trotzdem auf die Schwere dieses Themas hinzuweisen (ich habe deshalb die Worte auch nicht konsequent vermieden). Sobald eine vertiefende Diskussion stattfindet, ist festzustellen, dass nicht mehr nur von Hass, sondern in einer fast militärischen Diktion von Verteidigung, Kampf gegen Hasspostings, Krieg im Internet etc. gesprochen wird. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir an unserem eigenen Umgang mit dem Thema arbeiten müssen und den Sprachgebrauch (vor allem gegenüber den Medien) ändern müssen. Lassen Sie uns von Digitaler Courage sprechen, lassen Sie uns die positiven Erlebnisse hervor streichen und schaffen wir Vorbilder wie es anders geht.

Bei einem von Staatssekretärin Muna Duzdar eingeladenen Netzwerktreffen äußerten viele TeilnehmerInnen den Wunsch nach guter Vernetzung, objektiver Information und finanzieller Unterstützung beim Aufbau zivilgesellschaftlicher Projekte für eine positive Netzkultur und für eine Bewusstseinsbildung, die mit Verantwortung mit dem Betrieb von eigenen Onlineplattformen verbunden ist. Dieses Thema verlangt viel Aufmerksamkeit und geht durch alle Gesellschaftsschichten, Alterskohorten und Bildungsbiografien. Diesen Wünschen kann ich mich nur anschließen.

Christian Kern hat seine Position im Plan A unter dem Titel Hass ist keine Meinung mit den Kernforderungen: Verstärkung und Förderung zivilgesellschaftlicher Aktivitäten, Medienrecht auch für Foren und Social-Media-Plattformen, Verbesserung der Ahndung von strafrechtlich relevanten Delikten, Beratung und Hilfe für betroffene und verunsicherte NutzerInnen zusammengefasst und lädt zur aktiven Mitgestaltung ein.

Abschließen möchte ich mit einer Aufforderung des Bundestrollamtes:
Lassen Sie nicht zu, dass in unserem wunderschönen Cyberraum aus Nullen und Einsen, die Nullen das Sagen haben. Hass ist keine Meinung – machen Sie mit, laut und freundlich.

Weitere noch nicht erwähnte Links:

Grünbuch Digitale Courage
10 Tipps gegen Hass im Netz
Safer Internet

Bio:
Helmuth Bronnenmayer ist Unternehmer in Wien und berät im Bereich Digitale Kommunikation. Politisch engagiert er sich für Open Data und hat gemeinsam mit dem Bundesratspräsidenten Mario Lindner den Themenschwerpunkt Digitale Courage initiiert.

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Eine Hoffnung für den Wandel in der Gesellschaft – Wie das kulturelle Erbe die Zukunft lebendig mitgestalten wird – Dossier 3, Beitrag #8

Derzeit ist ein überwiegender Teil der Bevölkerung der Annahme, dass digitale Kompetenzen sich fast ausschließlich über die Technik erschließen. Wir wollen in diesem Beitrag einmal genauer hinsehen, ob dem tatsächlich Rechnung getragen werden kann.

Dem Digital Scoreboard der Europäischen Kommission zufolge ist die digitale Kompetenz in Österreich im Vergleich zum EU-Durchschnitt überdurchschnittlich gut und aufsteigend. Jede Analyse liegt einer Messbarkeit zugrunde und diese Messbarkeit wird von der EU mit den Eckpunkten „Konnektivität“, „Humankapital“, „Internetgebrauch“, „Integration von digitalen Technologien“, „digitale Dienstleistung für die Öffentlichkeit“ und „Forschung & Entwicklung (R&D)“ ausgezeichnet. Was verbirgt sich hinter diesen Überschriften?

Die „Konnektivität“ bezieht sich auf den Breitband-Ausbau und damit auf die technische (Grund-)Versorgung. Bei „Humankapital“ ist Österreich auf Platz 8 im EU-Ranking, wobei gemessen wird wie hoch der Bevölkerungsanteil ist, der Internet einfach nur benutzt. Etwas weniger wird es, sobald es um den Anteil an Expertinnen und Experten der Informations- und Kommunikationstechnologien als Arbeitskräfte geht. 2013 war Österreich unter den Top 3 von Abschlüssen in STEM (science, technology, engineering and mathematics).

Unter dem dritten Punkt „Internetgebrauch“ finden wir eine interessante Interpretierung der Ergebnisse:

“When it comes to some of the more common uses of the Internet by private individuals, Austria ranks only 25th among EU countries. This is surprising considering that Austrians have digital skills above the European average with a widely available and affordable Internet. Austrians are therefore in a good position to exploit the Internet for a variety of uses.“1

Wenn es also nur um ein wenig über die allgemein herkömmliche Art des Internetgebrauchs geht, fällt die Österreicherin oder der Österreicher plötzlich stark nach hinten ab und dass, obwohl in diesem Land doch ausgezeichnete Voraussetzungen gegeben wären. Keine Sorge! Dementsprechend gut schneiden wir wieder beim Online-Shopping und e-Banking ab.
Die „Integration von digitalen Technologien“ funktioniert bei größeren Betrieben überdurchschnittlich, bei Klein- und Mittelunternehmen gibt es jedoch Verbesserungsbedarf. Im Bereich „Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen“ erkennt Österreich die Potenziale, denn es geht um Kosten- und Zeitersparnis und ist eine Win-Win-Situation sowohl für den User, als auch für den Provider. Im Absatz zu „Forschung und Entwicklung“ kann man genauer nachlesen wie die Drittmittel verteilt werden. Hier spiegeln sich die bereits erwähnten Ergebnisse.

OpenGLAM – Das kulturelle Erbe braucht kulturelle Transformation

Was sich jedoch in diesem Digital Scoreboard auch spiegelt, ist die Aufmerksamkeit, die der Technik zukommt und die Vernachlässigung der Ansicht, dass die Technik ja nur ein Mittel zum Zweck ist wie digitale Transformation vonstatten geht. Diese Annahme lässt sich auch im Bereich der GLAMs beobachten. OpenGLAM steht für Open Data des kulturellen Erbes (galleries, libraries, archives and museums) und ist ein Teilbereich der Open Data Bewegung.

Als 2013 die PSI-Richtlinien (Public Sector Information), welche die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors regulieren, in einer Novelle von der EU auf das kulturelle Erbe erweitert wurden, war das ein Anstoß für die betroffenen Institutionen aus dem Dornröschenschlaf aufzuwachen. Diese Richtlinie muss bis 2018 in nationales Recht umgesetzt werden. Leider hinken Archive, Bibliotheken und Museen der digitalen Transformation noch etwas hinterher. Hier ist Österreich keine Ausnahme und es nimmt auch keine Vorreiterrolle ein.

In einem 2013 erschienenen Artikel zum Thema “Transformative Forschung als Motor für die Gestaltung von Systemübergängen” heißt es:

“Mit diesem Umbruch geht ein neues Innovationsparadigma einher, das von der Fortschreibung eines rein ökonomisch-technologischen Fortschrittsmodells abrückt. Soziale und kulturelle Innovationen gewinnen dagegen an Bedeutung: Gefordert sind institutionelle Reformen, neue Organisations- und Geschäftsmodelle sowie eine Kulturrevolution für suffiziente Lebensstile.”2

In diesem Artikel wird deutlich, dass soziale und kulturelle Innovation an Bedeutung gewinnt. Ganz aktuell wird bei der neuen Charta für digitale Grundrechte auch darauf hingewiesen, dass ‘technischer Fortschritt stets im Dienste der Menschheit zu stehen hat. Neue Formen der Organisation gilt es zu entwickeln und im Zentrum steht der Mensch, die Mitarbeiterin, der Kunde, die Lernenden.

In den GLAMs geht die digitale Transformation jedoch – meiner Beobachtung nach – vorrangig von dem Inhalt und der Technik aus. Unter diesen Bedingungen kann digital alles andere als phänomenal sein und genau gar nichts bewirken. Hinzu kommt, dass bei einem Transformationsprozess kooperativ gedacht, kommuniziert und gehandelt werden muss, um ein Projekt oder ein Unternehmen oder eine Institution erfolgreich werden zu lassen. Laut einer Studie von CISCO und der Wirtschaftskammer sind in Österreich 51,9% der Befragten der Meinung, dass eine Kooperationsbereitschaft “kaum vorhanden” ist. In den Kulturinstitutionen scheint mir, dass das Gedränge um die immer weniger werdende Förderung diesen Faktor noch verstärkt.

Wie die Digital Humanities ihre eigenen Kompetenzen unterschätzen

Innovationsprozesse erfolgen in erster Linie über Systemveränderungen. Diese gestalten sich in erster Linie durch Organisationsentwicklung und in weiterer Folge über Fragen wie: was ist überhaupt ein Archiv und wie kann dieses für den Menschen erlebbar gemacht werden?

Die Rolle der Geistes- und Sozialwissenschaft ist hierbei eine erhebliche, um den Fokus auf kulturelle Entwicklungen zu überprüfen. Diese Rolle wird derzeit sowohl in einzelnen Projekten als auch in breit angelegten Digitalisierungsprozessen noch stark vernachlässigt. Hier gilt es Kompetenzen auszubilden, zu stärken und berufliche Positionen zu schaffen, die es ermöglichen einen nachhaltigeren Übergang flächendeckend zu schaffen. Eine ausgezeichnete digitale Basisstruktur ermöglicht der Gesellschaft die vielfältige Teilhabe am Wissen unseres kulturellen Erbes. Und bekanntlich hat Bildung in einer demokratischen Ordnung und ihre selbstregulierende Wirkung der Gesellschaft in jeder positiven Hinsicht genutzt.

Wie es sich am Beispiel der Bibliotheken in Österreich gezeigt hat, ist es neben hierarchischen Strukturen sehr hilfreich eine schnell kommunizierende Struktur zu schaffen, die einzelne Institutionen und Akteure miteinander vernetzt und die Kooperation dieser fördert. So entstand das Netzwerk der OANA (Open Access Netzwerk Austria, initiiert vom Österreichischen Bibliothekenverbund und vorangetrieben vom FWF – Fonds wissenschaftlicher Forschung), welches innerhalb kurzer Zeit bereits Ergebnisse vorlegte um die digitalen Entwicklungen in der österreichischen Bibliothekswelt zu begünstigen. Beispielhaft könnte vom Bundeskanzleramt für Kunst & Kultur ein vergleichbares Netzwerk initiiert werden, welches GLAMs fördert ihr kulturelles Erbe für die breite Bevölkerung zugänglich zu machen.

Distribution und ihre Auswirkungen

Zusätzlich zu technischen Anforderungen wird oftmals auch die rechtliche Situation als Barriere zum Zugang zu kulturellem Wissen empfunden. Auch in diesem Zusammenhang können wir von einem Phänomen des fehlgeleiteten Diskurses ausgehen. Abermals stehen die strukturellen, organisatorischen und gesellschaftlichen Veränderungen dieser Rechtsdiskussion voran, welche noch nicht bearbeitet wurde und noch keine Lösung herbeigeführt hat. Wodurch es eine große Verunsicherung gibt, die vor der Öffnung von Digitalisaten und ihren Metadaten noch abschreckt. Ein europäisches Lizenzierungssystem wäre vermutlich ein Weg, um diese Barriere zu überwinden. Denn erst wenn wir Daten für die Öffentlichkeit frei verfügbar, wiederverwendbar und weiterverwertbar machen, erreichen wir eine nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft. Erst wenn das Kulturgut in eine allgemein zugängliche Ressource umgewandelt und auch als solches wahrgenommen wird, kommt es zu dem Effekt, dass Start-Ups entstehen, Wissen in die Bildung übernommen werden kann und insgesamt dem kulturellen Erbe eine größere Bedeutung, auch in gesellschaftspolitischen Fragestellungen, zukommt. Das kulturelle Erbe hat ein unglaubliches Potenzial um auf wirtschaftliche und arbeitsmarktpolitische Probleme reagieren zu können, wenn wir diese Chance nur nutzen wollen und anhand von Finanzierung und Kommunikation ermöglichen.3

1 Europäische Kommission, Digital Scoreboard Austria, 3. Use of Internet:
https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/scoreboard/austria

2 Transformative Forschung als Motor für die Gestaltung von Systemübergängen: https://www.oekom.de/fileadmin/zeitschriften/oew_leseproben/OEW_2_2013_15_Schneidewind_Singer-Brodowski.pdf

3 The Impact of Open Access on Galleries, Libraries, Museums & Archives:
http://siarchives.si.edu/sites/default/files/pdfs/2016_03_10_OpenCollections_Public.pdf

Linksammlung:

• Amtsblatt der Europäischen Union zur PSI-Richtlinie:
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2013:175:0001:0008:DE:PDF
• Informationsweitergabegesetz des Bundeskanzleramtes:
http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20004375
• Auswirkungen und Handlungsempfehlung:
http://okfn.at/2013/09/03/welche-auswirkungen-hat-die-novelle-der-psi-richtlinie-fur-bibliotheken-museen-und-archive/
• Empfehlungen für die Umsetzung von Open Access in Österreich:
https://zenodo.org/record/33178#.WE7cxXeX-t9
• Europäische Kommission, Digital Scoreboard Austria:
https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/scoreboard/austria
• Kooperationsbereitschaft in Österreich:
http://www.cisco.com/c/dam/global/de_at/assets/docs/presse/08_PK_Cisco_WKO_final_0208.pdf
• Digitale Grundrechte – Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union:
https://digitalcharta.eu
• Transformative Forschung als Motor für die Gestaltung von Systemübergängen: https://www.oekom.de/fileadmin/zeitschriften/oew_leseproben/OEW_2_2013_15_Schneidewind_Singer-Brodowski.pdf
• The Impact of Open Access on Galleries, Libraries, Museums & Archives:
http://siarchives.si.edu/sites/default/files/pdfs/2016_03_10_OpenCollections_Public.pdf
• TEDx talk from Wim Pijbes, „How the Rijksmuseum is reinventing the museum“: https://www.youtube.com/watch?v=L4V-6albaG0&feature=youtu.be

Bio:
Sylvia Petrovic-Majer ist derzeit selbstständige Kulturwissenschaftlerin. 2013 gründete sie die Arbeitsgruppe OpenGLAM in Österreich. Sie beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit partizipativen (Gruppen-)Arbeitsprozessen. Davor studierte sie an der Universität Wien am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft und am Institut für Kunstgeschichte, während sie verschiedenste Ausbildungen und Tätigkeiten im Kulturmanagement, Design Thinking und Prozess- und Projektmanagement absolvierte und ausübt.
Sylvia arbeitet vorwiegend an interdisziplinären Themen und versteht sich als „Brückenbauerin“. Dazu entwickelt sie mit Gruppen Innovationsprojekte und Kooperationen. Sie lebt, forscht und arbeitet zum Wandel der Gesellschaft.

Motivation: Neue Lösungen für bestehende Herausforderungen der bisherigen Strukturen entstehen zu lassen.

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