15. Juni 2014

Dossiers für den digitalen Wandel von

Auf dem Weg in die vernetzte Gesellschaft

Mit den Medien verändert sich immer auch die Gesellschaft – und umgekehrt. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, aber aktueller denn je. Heute ist es die Digitalisierung, die unser gesamtes gesellschaftliches Leben erfasst. Vor allem die sozialen Netzwerke und das mobile Internet treiben derzeit den medialen Wandel rasant voran. Denn mit Smartphones, Tablets und Co. bieten sich nun ganz neue Möglichkeiten, Informationen zu übertragen, sich mit anderen Menschen auszutauschen und das verfügbare Wissen zu teilen. Eine Entwicklung, die manche als Medienrevolution bezeichnen, die mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert vergleichbar wäre.

Ob in Bildung, Beruf oder Freizeit – digitale Technologien und Medien durchdringen zunehmend unsere Alltagskultur. Der Weg in die digitalisierte Gesellschaft birgt große Potenziale, führt aber auch zu Umbrüchen und wirft damit komplexe Fragen auf. Wie werden wir in Zukunft lernen, arbeiten, miteinander umgehen? Welche Fähigkeiten brauchen wir, damit wir unser vernetztes Leben souverän und sicher meistern? Wie können alle Menschen von den Potenzialen der digitalen Wissensgesellschaft profitieren? Und wie gut sind die ÖsterreicherInnen eigentlich auf den digitalen Wandel vorbereitet?

Onliner und Offliner

Wie die Erhebungen von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, belegen, liegt Österreich jedenfalls beim Internetzugang im europaweiten Vergleich leicht über dem Durchschnitt. So verfügten im Jahr 2013 81 Prozent der österreichischen Haushalte über Zugang zum Internet, in der EU waren es durchschnittlich 79 Prozent. Der Spitzenreiter bei den Haushalten mit Internetzugang sind die Niederlande mit 95 Prozent. Das Schlusslicht bildet Bulgarien mit nur 54 Prozent.
Von den befragten ÖsterreicherInnen gaben 77 Prozent an, das Internet regelmäßig zu nutzen. 63 Prozent sind dabei täglich oder fast täglich online. Im EU-Schnitt sind es etwas weniger. Den höchsten Anteil an Personen, die sehr häufig im Netz unterwegs sind, weist Dänemark mit 84 Prozent auf. Am anderen Ende der Skala rangieren Zypern und Polen mit 32 Prozent.

Die Fortschritte bei der Internetnutzung innerhalb der Europäischen Union zeigt auch das Digital Agenda Scoreboard an. Hier findet sich zu jedem Land eine eigene Seite, die den jeweiligen Stand grafisch aufbereitet dokumentiert. Wie das Country Profile for Austria veranschaulicht, beläuft sich die Personengruppe, die noch nie das Internet genutzt hat, in Österreich derzeit auf 16 Prozent. Im EU-Schnitt sind die Offliner mit 21 Prozent etwas mehr.

[Bild: Screenshot Digitale Agenda Scoreboard Country profile for Austria ICT-Skills indicators 2013]

EU Digital Scoreboard Austria ICT Skills Indicators 2013

EU Digital Scoreboard Austria ICT Skills Indicators 2013

Anschluss und Ausschluss

Auf den ersten Blick sehen die Ergebnisse für Österreich relativ gut aus. Doch bei differenzierter Betrachtung der Fakten wird deutlich, dass die Internetnutzung besonders bei benachteiligten Bevölkerungsgruppen absinkt, etwa bei bildungsfernen Familien oder älteren Menschen. Ganz ähnlich verhält es sich auch mit den grundlegenden Computer- und Internetkenntnissen, um die es bei vielen ÖsterreicherInnen noch nicht so gut bestellt ist.

Statistische Daten dazu liefert das „Programme for the International Assessment of Adult Competencies“, kurz PIAAC. Diese internationale Vergleichsstudie erfasst im Auftrag der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Schlüsselkompetenzen von Erwachsenen im Alter von 16 bis 65 Jahren. Die PIAAC-Studie 2011/12 wurde in 24 Ländern durchgeführt, darunter auch Österreich, wo die Statistik Austria die Daten erhob und aufbereitete. Die darin erforschten Bereiche betreffen die Lesekompetenz, die alltagsmathematische Kompetenz und die Problemlösekompetenz im Kontext neuer Technologien.

Laut PIACC definiert sich das Problemlösen im Kontext neuer Technologien als „die Fähigkeit, digitale Technologien sowie Kommunikationsmittel und Netzwerke zum Informationserhalt und zur Informationsanalyse zu nutzen, praktische Aufgaben durchzuführen und mit anderen zu kommunizieren. Ein Gebiet, wo das österreichische Niveau zwar im OECD-Durchschnitt liegt. Allerdings zeigte sich bei der Studie aber auch, dass in Österreich eine signifikant große Gruppe von Erwachsenen den Test am Computer gänzlich verweigerte.

Insgesamt, so ein Fazit aus PIAAC, hat rund ein Viertel der ÖsterreicherInnen unzureichende Computerkenntnisse. Dabei gibt es deutliche Kompetenzunterschiede nach Altersgruppen, Bildungshintergrund und Muttersprache. So schnitten Personen zwischen 45 und 65 Jahren bei den Computerkenntnissen unterdurchschnittlich ab. Mehr als die Hälfte der Personen ohne Computererfahrung hat höchstens einen Pflichtschulabschluss und der Großteil von ihnen eine andere Erstsprache als Deutsch.

[Grafik: Computerkenntnisse PIAAC-Test in Österreich]

Siehe auch: derStandard.at 10. Oktober 2013

Im Umgang mit Computer und Internet ist die österreichische Gesellschaft also gespalten. Das Problem der digitalen Kluft stellt sich heute allerdings anders als früher. Denn es mangelt nicht an den Zugangsmöglichkeiten. Es zeichnet sich vielmehr eine zweite digitale Spaltung ab. Ein Graben zwischen jenen gesellschaftlichen Gruppen, die allgemein und in digitaler Hinsicht besser gebildet sind und jenen, die Gefahr laufen, dauerhaft den Anschluss zu verlieren.

Aufgaben und Ausblick

Den Anteil der Offliner zu reduzieren, ist eines der vorrangigen Ziele der Digitalen Agenda für Europa, die von der EU-Kommission im Jahr 2010 vorgelegt wurde. Denn auch wenn das Internet mittlerweile zum Alltag vieler EU-BürgerInnen gehört, sind bestimmte Bevölkerungsgruppen nach wie vor von der Medienkompetenz in der digitalen Welt ausgeschlossen. Eine Herausforderung, der sich auch die Digital Champions stellen, die auf Initiative der für die Digitale Agenda zuständigen Kommissarin Neelie Kroes in derzeit 24 EU-Ländern aktiv sind. Sie sollen dazu beitragen, möglichst allen BürgerInnen den Weg ins Netz zu ebnen.

In Österreich ist Meral Akin-Hecke mit der Aufgabe des Digital Champions betraut. Auch hierzulande geht es nun darum, die digitale Kluft zu verringern und digitale Kompetenzen zu fördern. Welche Schritte an den Übergängen in eine inklusive Wissensgesellschaft konkret zu setzen sind, soll künftig hier auf Werdedigital.at laufend zum Thema gemacht werden.

Ein Beitrag von Beate Firlinger zum Auftakt von WerdeDigital.at.

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