27. März 2015

Digitale Erwachsenenbildung in Österreich – Dossier #8 von

Mit der PIAAC-Erhebung 2011/12 (“Erwachsenen-Pisa”) ist die bisher umfangreichste Studie über die Schlüsselkompetenzen Lesen, Alltagsmathematik und Problemlösungskompetenz im Zusammenhang mit neuen Technologien Erwachsener in Österreich durchgeführt worden. PIAAC steht für “Programme for the International Assessment of Adult Competences” und erhebt Vergleichsdaten im Rahmen der OECD. 25% der 16- bis 65-jährigen Österreicher_innen haben dabei ungenügende Computerkenntnisse gezeigt oder waren der Aufgabenbearbeitung am Computer nicht gewachsen. Dabei zeigt sich insbesondere ein Gefälle in Hinblick auf das Alter. Während noch 91,2 % der 16 bis 24-Jährigen Österreicher_innen gute Computerkenntnisse besitzen, sind dies bei den 55 bis 65-Jährigen nur noch 44,9%. Die Studie konzentrierte sich auf die Fähigkeit zur Problemlösung mit Hilfe zahlreicher Informationsquellen, auf die mit einem Laptop zugegriffen werden konnte. Dabei standen Recherche, Beurteilung, Abruf und Verarbeitung von Informationen im Vordergrund. Neben der Kategorie Alter spielen auch das Geschlecht und das Geburtsland bzw. die Erstsprache eine Rolle. Frauen und Migrant_innen verfügten über niedrigere Kompetenzen.

Auch wenn in diesem Beitrag die IKT- bzw. Medienkompetenz im Vordergrund steht, so darf diese nicht isoliert von anderen Basisfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und der Lernkompentenz gesehen werden. Darüberhinaus muss betont werden, dass Medienkompetenz mehr ist, als Information zu sammeln, zu beurteilen und zu nutzen. Das anzustrebende Niveau von Medienkompetenz ermöglicht zusätzlich kulturelle, politische bzw. gesellschaftliche Teilhabe handlungsfähiger Bürger_innen durch Mediengestaltung (vergl. Medienkompetenzdefinition von Dieter Baacke).

Um die Medienkompetenz zu stärken, gibt es zahlreiche und vielfältige Angebote von Erwachsenenbildungungseinrichtungen zum Themenbereich IKT: Neben dem “Computerführerschein” (ECDL) viele Kurse von der Nutzung von Bürosoftware bis zur richtigen Bedienung von Smartphone und Tablet. (vgl. Digitale Landkarte von WerdeDigital.at)
Die Vermittlung von Medienkompetenz darf aber auch in diesem Zusammenhang nicht isoliert betrachtet werden. Als Querschnittsmaterie betrifft sie wahrscheinlich alle Angebote der Erwachsenenbildung.

Herausforderungen

Zentrales Dokument für die österreichische Politik ist die Strategie zum lebensbegleitenden Lernen “LLL:2020”, das im Juli 2011 veröffentlicht wurde. Klaus Thien, Leiter des Österreichischen Instituts für Erwachsenenbildung: “In der nationalen LLL-Strategie ist IKT-Kompetenz jedenfalls keine eigene Aktionslinie, sondern hat als Schlüsselkompetenz Nr. 4 den Charakter einer Querschnittsmaterie. Das ist ein richtiger Ansatz.” Demnach sollte die Nutzung von IKT nicht auf die dezidierten Computer-Kurse der Erwachsenbildung beschränkt bleiben. Digitale Medien können in zahlreichen Angeboten wie zum Beispiel Sprachen, Wirtschaft, Elternbildung, Politik & Gesellschaft usw. zum Einsatz kommen. Der Mehrwert bei der Nutzung neuer Medien sollte nicht lediglich aus der Online-Ablage von Kursmaterialien bestehen. Neue Formate sind möglich, die zum Beispiel zu einer Öffnung der Kursräume führen oder Peer-Learning ermöglichen. Online-Kooperationen mit anderen Bildungsträger_innen, ggf. internationale Kooperation mit Interessierten über die Kursgruppe hinaus, können eine neue Dimension eröffnen, wie auch die im Hinblick auf die für digitale und innovative Formate abzielende Mitteilung der EU-Kommission “Die Bildung öffnen” vom Herbst 2013 anregt.

Auch die Ansätze der folgenden zwei Aktionslinien der LLL:2020-Strategie können durch den gezielten Einsatz neuer Medien gestärkt werden:

Aktionslinie 5 beschreibt die Idee von “Community-Education”: “Um die aktive Teilnahme der Menschen bei der Gestaltung ihrer Lebensumwelt und des Gemeinwesens zu unterstützen, werden innovative Modelle und neue Lernorte von Community-basiertem Lernen auf lokaler und regionaler Ebene entwickelt und durchgeführt.”
In einer stetig zunehmenden Globalisierung können sich Communities über digitale Medien vernetzen und voneinander lernen. Lokale Communities können das Internet als neuen Lernort für sich entdecken und durch überregionalen Austausch einen Beitrag zur regionalen Entwicklung leisten.

Aktionslinine 10 fordert die Entwicklung von Verfahren zur Anerkennung non-formal und informell erworbener Kenntnisse und Kompetenzen: “Der Wissenserwerb in den klassischen Bildungsinstitutionen wie Schule und Hochschule wird durch das Lernen an non-formal organisierten Lernorten ergänzt. Erworbene Fertigkeiten und Kompetenzen werden unabhängig davon, wo sie erworben wurden, anerkannt und als Qualifikation zertifiziert, wodurch non-formale und informelle Bildungsprozesse gleichwertig neben formale Bildungswege treten”.

Ein Ansatz für diese Anerkennung wird mit Open Badges versucht. Diese neue Form der Anerkennung kann zur Teilnahme an informellen Online-Lernangeboten wie z.B. MOOCs motivieren.

Mögliche Handlungsansätze:

  • Fortbildung von Lehrenden in der Erwachsenenbildung und insbesondere auch in der Basisbildung zur Stärkung der eigenen digitalen Kompetenz
  • Kennenlernen digitaler Werkzeuge und Formaten
    • Einsatzmöglichkeiten von MOOCs und OER in der Erwachsenenbildung
  • Erkennen des Mehrwerts von digitalen Medien zur Zusammenarbeit und zur Öffnung von Kursräumen, um Lernerlebnisse außerhalb derselben zu schaffen

Die Unterstützung von Lehrenden kann auch über Mentoring gestaltet werden.

Darüber hinaus:

  • Förderung von OER durch öffentliche Finanzierung bzw. durch Implementierung als Förderkriterium bei Projektvergaben
  • Öffnung tertiärer Online-Bildungsangebote für die Erwachsenenbildung
  • Ermutigung zu Kooperationen zwischen Bildungsträger_innen zur gemeinsamen Organisation digitaler Lernangebote
  • Einrichtung und Bereitstellung einer zentralen digitalen Infrastruktur (z.B. Lernplattform Moodle, Webkonferenzsysteme) mit methodischem Unterstützungsangebot für Erwachsenenbildungseinrichtungen. Dabei könnte die Virtuelle Pädagogische Hochschule ein Vorbild sein.

Beispielprojekte:

Das AtterWiki – hervorgegangen aus einem von der EU finanzierten Projekt – dient seit vielen Jahren als partizipative Sammelstelle für Regionalgeschichte rund um den Attersee in Oberösterreich.

Die Montagsakademie der Universität Graz bietet Live-Übertragungen von Vorträgen an.

In Polen wurden 2.900 Freiwillige zu “Digital Lighthouse Keepers” ausgebildet. Diese unterstützen vor allem ältere Bürger_innen landesweit beim Zugang zu IKT. Fast 250.000 Pol_innen waren binnen weniger als 3 Jahren bereits mit einem “Digital Lighthouse Keeper” in Kontakt.

Ein aktuelles MOOC-Projekt, an dem sich auch die Volkshochschule Salzburg mit einer lokalen Lerngruppe, einer sogenannten MOOCbar, beteiligt ist der ichMOOC, der u.a. von der VHS Hamburg organisiert wird. Im ichMOOC lernen Erwachsene ab dem 28.5.2015, wie sie ihre Online-Identität gestalten und für persönliche Ziele nutzen können.

Links:

Lernen mit digitalen Medien – Ein Handbuch für Erwachsenenbildung & Regionalentwicklung; Herausgeber: oieb – Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung

erwachsenenbildung.at – Das Portal für Lehren und Lernen Erwachsener

Strategie zum lebensbegleitenden Lernen in Österreich: LLL:2020

EPALE – E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

Glossar:

Open Badges sind ein System digitaler Zertifikate oder Lernabzeichen. Traditionell werden die Teilnahme an Schulungen, das Ablegen von Prüfungen oder generell das Vorhandensein bestimmter Fertigkeiten oder Kenntnisse mit Zertifikaten oder Teilnahmebestätigungen belegt. Mit Open Badges bekommen solche Bestätigungen und Nachweise einen digitalen Charakter. Mit diesen Badges (engl. für Abzeichen, Ausweis, Erkennungszeichen) sollen Lernende mitteilen können, was sie gelernt haben bzw. über welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sie verfügen. Ausstellen kann sie praktisch jede Organisation oder Einzelperson.

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