27. November 2015

Digitales Arbeiten in Österreich – Status Quo, Anforderungen und Potentiale / Dossier_Arbeitswelt#2 von

Teaser_Dossier_Arbeitswelt_2

Es ist noch gar nicht so lange her, als Daten auf Lochkarten gespeichert, Telefone über eine Wählscheibe bedient und Dokumente über ein Rohrpostsystem verschickt wurden. Heute erledigen wir jede dieser Aufgaben auf einem 5 Zoll großen Gerät zwischen zwei U-Bahn Stationen. Die Digitalisierung greift in all unsere Lebensbereich ein und verändert die Art und Weise, wie wir unseren Alltag bestreiten, grundlegend. Nicht umsonst verwenden wir auch gerne den draufgängerischen Begriff der Revolution. Eine Revolution, die aus einer Industriegesellschaft eine Wissensgesellschaft macht, eine sogenannte Industrie 4.0, die für eine immer stärkere Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Produktion steht. Jede und jeder Einzelne kann Wissen einbringen, verbreiten und erweitern und ist damit für ArbeitgeberInnen wertvoller denn je. Doch wie weit sind Rahmenbedingungen wie technische Infrastruktur und digitale Kompetenz in Österreich schon vorangeschritten?

„Dabei müssen wir berücksichtigen, dass zur Digitalisierung das Einschalten von Computern nicht ausreicht. Digitales Arbeiten ist nicht nur die Abbildung von bestehenden Arbeitsformen mit neuen Medien, sondern hat das Potential zum tiefgreifenden Wandel von Unternehmen beizutragen und zu einem entscheidenden Innovationsfaktor zu werden.“

Franz Kühmayer: Mitglied des Beirats der Initiative WERDEDIGITAL.AT; Geschäftsführer der Strategieberatung KSPM; einer der führenden Zukunftsforscher Europas zum Thema Neues Arbeiten. Leitfaden Das neue Arbeiten im Netz

Digitalisierung im Privaten

Im Privatleben der ÖsterreicherInnen haben digitale Technologien bereits einen hohen Stellenwert. In 81% der österreichischen Haushalte finden wir im Jahr 2015 einen Internetzugang. Für den Internetzugang unterwegs nutzen 76% der ÖsterreicherInnen ein Mobiltelefon, Laptop, Netbook oder Tablet. Onlineshopping spielt ebenfalls eine immer wichtigere Rolle: 53,3 % der ÖsterreicherInnen tätigten in den letzten zwölf Monaten einen Kauf im Onlinehandel.

Für Unternehmen dagegen gibt es einige Grundvoraussetzungen, die geschaffen werden müssen, um zeitgemäß und den Bedürfnissen entsprechend arbeiten zu können. Um sich diesem Bereich zu nähern, sollten wir zunächst einmal wissen, worüber wir sprechen: Wie digital ist die Arbeitswelt in Österreich? Welche Möglichkeiten, Anforderungen und Veränderungen, sowohl für ArbeitnehmerInnen als auch für ArbeitgeberInnen, tun sich mit der Digitalisierung auf? Wie sind die Unternehmen ausgestattet, welche Technologien und Services nutzen sie, wie schlägt sich Österreich im europaweiten Vergleich?

Die digitale Arbeitswelt in Österreich

Man kann sagen, dass die digitale Grundausstattung flächendeckend vorhanden ist. Ohne Internetzugang geht für heimische Unternehmen kaum mehr etwas, so findet man diesen bei 98,8% der österreichischen Unternehmen. Im Jahr 2003 waren es 89,2 %. Die Präsentation des Unternehmens auf einer eigenen Website setzen bis heute 87,5% der österreichischen Unternehmen um. In der Nutzung sozialer Medien wie Blogs, Wikis oder soziale Netzwerke ist man hier schon etwas zurückhaltender, diese findet man bei 42% aller österreichischen Unternehmen.

Und wie geht es den ArbeitnehmerInnen? 22% der Beschäftigten werden in Österreich mit Geräten zur mobilen Internetnutzung ausgestattet. Diese Zahl erscheint angesichts oftmals grundlegend digitaler Arbeitsstrukturen von Unternehmen sehr niedrig. Eine Vermutung legt nahe, dass die Nutzung privater Geräte für berufliche Zwecke, genannt BYOD – Bring Your Own Device, , der Grund dafür ist. Eine Umfrage der GPA-djp hat bereits im Sommer 2013 ergeben, dass zwei von drei Personen diesem Trend folgen

The Digital Economy and Society Index (DESI) 2015

Wie wettbewerbsfähig Österreich im Bereich Digitalisierung im Vergleich zu anderen EU-Staaten tatsächlich ist, lässt sich am DESI-Index festmachen, der einen Wert von 0-1 ausgibt. Die EU-Kommission hat dafür fünf Dimensionen aufgestellt: Konnektivität, Humanressourcen, Internetnutzung, Integration der Digitaltechnik und digitale öffentliche Dienste. Mit einem Gesamtwert von 0,48 liegt Österreich auf dem 13. Platz und somit im Mittelfeld.

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Bild: DESI-Index im Ländervergleich
https://ec.europa.eu/digital-agenda/en/desi

Herauszuheben ist der überdurchschnittliche Wert von 0,57 im Bereich „Humanressourcen“. Dieser hält fest, dass die ÖsterreicherInnen eine höhere digitale Grundkompetenz haben, als im EU-Schnitt. Der niedrige Wert von 0,37 im Bereich Integration der Digitaltechnik in Unternehmensprozesse lässt sich auf die schwache Nutzung von neuen Möglichkeiten, wie beispielsweise Cloud-Technologien, zurückführen. Der Index zeigt außerdem auf, dass sich insbesondere Klein- und Mittelbetriebe (Ausnahme Tourismus) in Österreich schwer tun, Digitalisierung für sich zu nutzen.

#besserentscheiden

Im Juli 2015 kündigte Bundesratspräsident Gottfried Kneifel an, die Herausforderungen, Chancen und Risiken der Digitalisierung in Österreich in den Fokus seiner Präsidentschaft zu legen. Ins Leben gerufen wurde die Plattform www.besserentscheiden.at. Hier wurde gemeinschaftlich diskutiert, Ideen gesammelt und ein Grünbuch erstellt werden. Dieses war Grundlage für eine Enquete des Bundesrates im November 2015.

Digitalisierung der Arbeit als Wirtschaftsfaktor

Digitale Innovationen beeinflussen die Art, wie wir konsumieren, kommunizieren, erleben und uns entwickeln, im Privaten wie im Arbeitsleben. Diese Neustrukturierung von Arbeitsprozessen nimmt auch Anteil an veränderten Wirtschaftsprozessen. Die Aneignung digitaler Kompetenzen und die Nutzung der damit gebotenen Möglichkeiten sind essentiell, um eine Gesellschaft im Jahr 2015 voranzubringen und wettbewerbsfähig zu machen. Gezieltes Eingehen auf Bedürfnisse, schnelle Entwicklung und weltweite Vernetzung haben Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Nicht zuletzt bemerken wir durch die Auflösung von Grenzen auf allen Ebenen eine Aufschließung komplett neuer Märkte.

Das Kompetenzzentrum Internetgesellschaft geht davon aus, dass etwa 28 % des österreichischen Wirtschaftswachstums in der Vergangenheit direkt auf den Einsatz und die Verwendung von IK-Technologien (Informations- und Kommunikationstechnologien) zurückgehen.

Mailen, skypen, snapchatten

Hinter dem großen Ganzen steht jede einzelne Person einer Gesellschaft, die durch ihre individuelle Nutzung und Digitalisierung, bzw. Nicht-Digitalisierung ihres Alltags den Weg für die weitere Entwicklung in diesem Bereich mitdefiniert.

Moderne Arbeitsmittel und neu strukturierte Arbeitsprozesse dürfen nicht auf veraltete bürokratische Strukturen treffen, sondern müssen in eben diesem Maße den fruchtbarsten Boden vorfinden. Neuorganisation der Arbeit bedingen angepasste Berufsbilder, flexible Arbeitszeitmodelle (Stichwort Work-Life-Balance), Kompetenzvermittlung und Bewusstseinsschaffung für die Gestaltung neuer Rahmenbedingungen.

Dass eine Fortführung dieses Trends nicht nur existierende Strukturen, sondern vor allem auch zukünftige betrifft, zeigt die New World of Work Studie der IMC FH Krems und der HMP Beratungs GmbH: Für 76% der Befragten ist mobiles Arbeiten ein Auswahlkriterium für den nächsten Arbeitgeber. 51% der Befragten halten die Einführung flexibler Arbeitsweisen für mindestens genau so wichtig oder sogar für wichtiger als eine nächste Gehaltserhöhung.

Das neue Arbeiten – DNA

Marcus Izmir und Christiane Bertolini gründeten 2012 die Initiative „Das neue Arbeiten – DNA“, mit der Menschen zusammengebracht, Arbeitskulturen weiterentwickelt und neue Zugänge etabliert werden sollen – mit dem Ziel so zu arbeiten, dass die Profitabilität bzw. der Erfolg des Unternehmens im selben Maße wie die Freude und Zufriedenheit der Mitarbeiter wächst.“ 

Quellen

Statistik Austria: IKT in Haushalten
Statistik Austria: IKT in Unternehmen
The Digital Economy and Society Index DESI
Bundesratsinitiative „Digitaler Wandel und Politik“
Kompetenzzentrum Internetgesellschaft
„Das neue Arbeiten – DNA“

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