18. Dezember 2015

Ist das „Internet of Things“ das neue Web 2.0? /#Dossier_Arbeitswelt #15 von

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2004 revolutionierte Tim O’Reilly das Web. Oder zumindest änderte er, wie wir das Web nennen. Er prägte nämlich maßgeblich den Begriff „Web 2.0“ und füllte ihn mit dem Leben, unter dem wir ihn kennen. Das „Mitmach-Web“ die „Weisheit der Vielen“. All das waren zentrale Eigenschaften und Kernelemente dieses „neuen“ Webs im Jahr 2005.

Waren? Sind sie es denn heute nicht mehr? Ja und Nein. Das Mitmach-Web ist schon lange keine Revolution mehr. Es ist auch keine „Modeerscheinung“, sondern immer noch die Art, wie Kommunikation im Web funktioniert. Nur nennen wir es heute nicht mehr Web 2.0. Wir nennen es Social Media, oder einfach nur „Web“. Denn Internet, so wie wir es heute kennen, ist schlicht und ergreifend das, wovon Tim O’Reilly 2005 sprach. Es ist nur nichts neues mehr und bedarf daher keines „Sondernamens“ mehr.

Oder etwa doch? Gibt es schon eine neue internetbasierte Kommunikationsrevolution? Viele sagen: Ja! Nämlich das „Internet of Things“. Ist das „Internet of Things“ unser neues Web 2.0? Ist das Internet of Things unsere neue Revolution?

Was ist das Internet of Things?

Das „Internet of Things“ (IoT) oder auch „Internet der Dinge“ ist keineswegs eine neuartige Idee. Er ist sogar älter als der Begriff „Web 2.0“. Die Idee wurde bereits 1991 in einem Aufsatz von Mark Weiser aufgeworfen. Der Begriff selbst ist auf Kevin Ashton zurückzuführen, der ihn 1999 zum ersten Mal verwendete. Doch was ist dieses Internet of Things eigentlich?

Das Internet der Dinge beschreibt die Vernetzung von Geräten (also „Dingen“) durch das Internet. Soweit so simpel. Diese intelligenten/vernetzten „Dinge“ sollen auf Dauer immer mehr und mehr den Computer als Gerät ersetzen.

Beispiele für diese „Dinge“ sind „tragbare Technologien“ (so genannte „wearables“) wie zum Beispiel Uhren (Smartwatches) aber auch klassische Haushaltsgeräte können im Internet of Things angesiedelt sein. Der intelligente Kühlschrank beispielsweise. Der mir über das Internet mitteilt, wann er leer ist, oder die Heizung, die sich via Smartphone steuern lässt, oder sich via Internet nur zu jenen Zeiten einschaltet, wenn der Strompreis am günstigsten ist.

Was will das Internet of Things?

Ziel des IoT ist die Vernetzung der Welt durch „intelligente Geräte“. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass durch die Automatisierung den Menschen selbst viele Abläufe erleichtert werden, sondern vor allem können Fehlermeldungen, Nutzungsdaten und andere Auswertungsergebnisse direkt zwischen den Maschinen übermittelt werden und dienen somit wieder der Verbesserung der Geräte und Services selbst.

Wie das konkret funktioniert? Über Technologien wie RFID und vor allem über die individuelle Identifikation einzelner Geräte. Dr. John Barrett ist Wissenschafter aus Irland, und erzählt in einem TEDx Talk ganz genau wie die Kommunikation im Internet of Things funktioniert und wohin seine Forschung geht (Außerdem erzählt er über seine Erfahrungen mit dem ersten Browser: Mosaic. Durchaus unterhaltsam). Wird es in Zukunft möglich sein mit der Google Suchabfrage „Wo ist mein Schlüssel?“ auch tatsächlich die richtige Antwort zu finden? Möglich wäre es laut Dr. Barrett jedenfalls…

 

Was bringt das Internet of Things für die Arbeitswelt?

Abgesehen von klassischer „Ding“-Kommunikation wie beispielsweise die  Steuerung der Kaffeemaschine im Büro, das Einstellen der Heizung (und damit die potenzielle Einsparung/Optimierung von Heizkosten) sowie der allgemeinen Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Businesses, kann das IoT auch ganz einfache Erleichterungen für den Arbeitsalltag – sowohl für ArbeitnehmerInnen als auch die ArbeitgeberInnen – bringen.

Hier ein Beispiel:
Ein gut eingestellter Bürosessel und -Tisch ist die halbe Miete, oder? Wenn wir gut sitzen, haben wir weniger Rückenschmerzen und können uns besser auf unsere Arbeit konzentrieren. Aber so einen Bürotisch richtig auf die betreffenden MitarbeiterInnen einzustellen, bedarf schon einiges an Know-how, kann also nicht von jedem oder jeder erledigt werden und ist zudem wahrscheinlich recht teuer. Hier besteht eine große Chance für IoT: Nehmen wir an, der Bürosessel und -Tisch sind mit Sensoren ausgestattet. Als Teilnehmer am Internet der Dinge könnten nun der Sessel und der Tisch bestimmte Parameter über den Mitarbeiter/die Mitarbeiterin, der/die auf dem Sessel oder Tisch sitzen soll direkt an den Hersteller übermitteln. Dieser kann – idealerweise auch direkt über das Netzwerk – die nötigen Einstellungen vornehmen und voilá: der Sessel passt, der Tisch passt und keiner musste sich dazu vom Fleck bewegen.

Und auch wirtschaftlich liegt ein Riesenpotenzial im IoT. Ein Studie von McKinsey aus dem Juni 2015 prognostiziert für das Jahr 2015 einen weltweiten wirtschaftlichen Mehrwert von bis zu 11 Billionen Dollar. Das wären dann etwa 11% der weltweiten Wirtschaftsleistung. Potenziell den größten Einfluss hat das Internet of Things der Studie zufolge übrigens in Fabriken (bis zu 3,7 Billionen Dollar), Städten (1,7 Billionen Dollar) und im Gesundheitswesen (1,6 Billionen Dollar). Am meisten profitieren dabei die AnwenderInnen. Also Unternehmen und VerbraucherInnen.

Quelle: McKinsey "The Internet of Things: Mapping the value beyond the hype" (pdf) (s. 9)

Quelle: McKinsey „The Internet of Things: Mapping the value beyond the hype“ (pdf) (s. 9)

Ist Internet of Things das neue Web 2.0?

Das IoT hat definitv das Potenzial zu unserem neuen „Web 2.0“ zu werden. Es hat das Potenzial ganze Branchen und Geschäftsmodelle zu verändern. Dennoch gibt es einen wesentlichen Unterschied: Web 2.0 zeichnete sich ganz massiv durch die Veränderung der Kommunikation direkt zwischen einzelnen Menschen aus. „Internet of Things“ ist – wie der Name selbst schon sagt – geprägt von der Kommunikation mit und zwischen Gegenständen. Ob es uns Menschen also auf Dauer so mitreißen wird, mit unseren Geräten zu kommunizieren? Und dennoch hat das Internet of Things das Potenzial etwas ganz ganz Großes zu werden und unsere Welt nachhaltig zu verändern! Aber…

Internet of Things und Datenschutz?

Bei all dem Gerde über Revolution und die Übermittlung von Daten via Internet darf natürlich ein Thema nicht ausgespart werden: der Datenschutz. Wie sicher sind jene Daten, die unsere Geräte via Internet übermitteln? An wen werden diese Daten übermittelt? Und: Wer ließt sonst noch mit?

Das Internet of Things mag die mögliche nächste internetbasierte Revolution sein. Allerdings erst dann, wenn entsprechende Sicherheitsmaßnahmen Teil der Geschäftsmodelle werden und datenschutzrechtliche Bedenken ausgeräumt werden können. Und soweit sind wir im Jahr 2015 noch nicht. Wir vertrauen in Sachen Datenschutz ja nichtmal unseren bekannten und gewohnten Netzwerken (siehe Europe VS Facebook).

Denn eines haben wir jedenfalls mit dem „Web 2.0“ gelernt: Die vernetzte IT-UserInnenschaft ist schlau. Sie weiß über ihre Rechte Bescheid, tauscht sich aus und ist selten leise. Die „Crowd“ ist intelligent und vernetzt. Danke Web 2.0.

 

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, und wer außerdem noch etwas Zeit mitgebracht hat, der/dem sei diese Dokuemntation zu „Internet of Things“ nahegelegt:

Quellen:

Tim O’Reilly: „Was ist Web 2.0“

Kevin Ashton „That Internet of Things Thing“

Mark Weiser „The Computer for the 21st century“ (pdf)

IoT Vienna

The Internet of Things: Dr. John Barrett at TEDxCIT

zeit.de „Wenn Kühlschränke Gedanken lesen“

McKinsey „The Internet of Things: Mapping the value beyond the hype“ (pdf)

Dokumentation: Das Internet der Dinge (Full Dokumentation)

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