14. Dezember 2015

Neue Berufsbilder und Karrierepfade als Herausforderung für Unternehmen / #Dossier_Arbeitswelt #11 von

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Berufe von morgen heute noch nicht erfunden
„Die Digitalisierung hat viel größere Auswirkungen als man es momentan erkennt“, sagt Franz Kühmayer. „Das betrifft sowohl das Unternehmen, die Organisation, als auch Berufe und Berufsbilder an sich. Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Politik unterschätzen das noch massiv“, ist sich der Zukunftsforscher mit Spezialgebiet „Das Digitale Arbeiten“ sicher. Kühmayer weiß, dass von Unternehmen dieser Tage vor allem Wandelbarkeit gefragt ist: „Wer Industrie 4.0 versteht als ein Förderband mit Unternetanschluss, hat nichts verstanden“, warnt er, der Umbruch sei allumfassend zu sehen: „Neue Berufsbilder entstehen, bestehende Berufe werden durch Digitalisierung in ihrem Kontext stark verändert und jene Berufe, die es in fünf bis zehn Jahren geben wird, von denen wissen wir heute noch gar nichts.“

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Kühmayer gibt ein Beispiel: „Der Beruf des Automechanikers war stark mechanisch, heute ist er bereits mechatronisch. Wenn man in die Werkstätte kommt, nimmt der Mechaniker nicht mehr das Werkzeug und legt sich unter die Karosserie, sondern er steckt den Diagnosestecker ein. In der Zukunft werden Mechaniker vor allem Softwaretechniker sein, weil ein Auto immer mehr zum Computer auf vier Rädern wird.“ Andererseits bescheidet der Zukunftsforscher Berufen, die jetzt – im Zuge der Digitalisierung – stark nachgefragt würden eine kurze Lebensdauer: „Den Social Media Manager wird es in fünf Jahren nicht mehr geben. Einerseits weil sich die Technologie überholt und andererseits, weil es für alle selbstverständlich sein wird, wie Social Media zu bedienen ist.“

Karrierepfade vielschichtiger statt linear
Ähnlich stark verändert habe und wird die Digitalisierung auch den Karriereweg, zeigt sich Kühmayer überzeugt: „Wir kommen aus einer sehr ruhigen Zeit, in der eine Karriere immer nach dem gleichen Muster verlief: Lernen – je nach Karriere bis 15 oder 25, dann Arbeitsleben und dann der wohlverdiente Ruhestand.“ Heute seien diese drei Bereiche nicht mehr abgrenzbar, vor allem aus einem Grund: „Wir lernen das ganze Leben lang. Unsere Bildung ist auch mit 30, 40, 50 Jahren nicht aus“, drückt es der Zukunftsforscher aus. Auch die Arbeit sei anders zu verstehen, „weil wir nicht mehr innerhalb einer Disziplin oder bei einem Arbeitgeber bleiben. Wenn heute jemand in einem Unternehmen einsteigt, dann weiß er genau, dass er das zwei, drei vielleicht auch fünf Jahre macht. Er wird viel dabei lernen und gerne etwas leisten, aber dann weiterziehen. Nicht weil es ihm dort nicht gefällt, sondern weil er etwas anderes lernen möchte“, erklärt der Zukunftsforscher. Dasselbe gelte auch für die Pension, die laut Kühmayer eher ein „Unruhestand“ sei, als ein Ruhestand: „Mit 60 Jahren, in denen man normalerweise in Pension geht, hat man nicht mehr nur fünf Jahre zu leben, sondern 25, den Großteil davon gesund. Viele wollen diese Zeit nicht auf dem Balkon sitzen, sondern sich auch beruflich engagieren.“

Während diese Änderungen bereits jetzt voll im Gange seien, würden Unternehmen darauf langsam und nicht allzu flexibel reagieren, meint der Zukunftsforscher. Er rät, die bisherige Logik in Bezug auf Mitarbeiter auf den Kopf zu stellen, und statt linear, netzwerkorientierter zu denken: „Unternehmen sollten nicht nach Modellen suchen, die Leute zu halten, sondern ein Beziehungsnetzwerk aufbauen, durch das die Mitarbeiter auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Unternehmen nicht verloren sind – ähnlich wie es Alumniprogramme bei Universitäten machen.“ Die Chancen, die sich daraus ergeben könnten, seien mannigfaltig, schließt Kühmayer.

Jugendlichen das Internet auch für Beruf näherbringen
Auch Ali Mahlodji sieht die Entwicklungen rund um die Digitalisierung und den Beruf ähnlich wie Franz Kühmayer: „Jugendliche wissen, dass es DEN lebenslangen Job nicht mehr gibt“, spricht er aus eigener Erfahrung. Mahlodji hat die Video-Job-Plattform „Whatchado“ ins Leben gerufen, die Jugendlichen die Qual der Wahl rund um das Thema Beruf erleichtern will und tourt dafür auch durch Schulen. „Berufseinsteiger heute sind mündiger. Sie informieren sich im Vorfeld genau über das Unternehmen und wissen, was sie wollen und was nicht.“ Mahlodji kritisiert, dass die Digital Natives zwar gut mit Handy & Co. an sich umgehen können, aber „nicht, um sich auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten oder damit zu arbeiten.“ Es fehle an der nötigen Ausbildung in der Schule. „Die digitalen Medien sind Tools, nicht mehr und nicht weniger. Wenn man den Leuten nicht beibringt, einen Stift richtig zu verwenden, werden sie später nicht schreiben können. Hier müssen die Lehrer einspringen und Internet und Handy auch im Unterricht verwenden“, ist er sich sicher.

Ali-Mahlodji-CEO-Co-Founder-Chief-Storyteller(c) Whatchado

Der Chef wird zum Coach
Aber nicht nur Berufseinsteiger, sondern auch Chefs erscheinen im Zuge der Digitalisierung in einem anderen Licht, meint Mahlodji: „Als Chef in einem großen Konzern bekommt man nicht mit, was an der Basis, was direkt am Markt los ist. Oft dauert es ein Jahr, bis Informationen oben ankommen.“ Der Chief Storyteller bei Whatchado fordert deswegen, die Hierarchie-Pyramdie auf den Kopf zu stellen: „Die Führungskraft der Zukunft muss ein Coach sein, der seinen Mitarbeitern den Sinn ihres Arbeitens erklärt, der ihnen das große Ziel verständlich macht, warum sie das alles machen.“ Die Entscheidungen müssten von den Angestellten selbst kommen: „Wenn nur die Oberchefs entscheiden, dann wird sich das Unternehmen nie schnell genug bewegen“, ist Mahlodji überzeugt.

Mobilität und Flexibilität als „Must-Have“
Aber wie sieht das ein solcher „Oberchef“ bzw. eine „Oberchefin“? „Als treibende Kraft der Digitalisierung in Österreich hat sich Microsoft bereits sehr früh auf die veränderten Gegebenheiten eingestellt und ist mit dem Konzept der neuen Welt der Arbeit Vorreiter. Für uns bedeutet die digitale Transformation im Beruf mobiles, orts- und zeitunabhängiges Arbeiten mit Hilfe modernster Technologien“, drückt es Dorothee Ritz, General Managerin für die Geschäftsführung von Microsoft Österreich aus. Bei Microsoft fasst man das vor allem mit zwei Begriffen zusammen: Mobilität und Flexibilität – sowohl für das Unternehmen, als auch die Mitarbeiter. „Bei Microsoft gilt beispielsweise der Grundsatz der Vertrauensarbeitszeit, bei der sich die Mitarbeiter ihre Arbeitszeit weitestgehend frei einteilen können. Die Erfahrung zeigt uns, dass die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter bei flexiblen Arbeitsplatzmodellen steigt und sie durch den Einsatz von Video-Konferenzsystemen wie Skype for Business um 50 Prozent häufiger an Besprechungen teilnehmen.“

Umdenken vom Portier bis zum CEO
Aber es geht nicht nur um die passenden Werkzeuge, das weiß die General Managerin von Microsoft Österreich genau: „ Es heißt nicht umsonst „Culture eats strategy for breakfast“. In erster Linie müssen neben den rein technischen Voraussetzungen vor allem die kulturellen Bedingungen im Unternehmen gegeben sein um eine digitale Transformation zu ermöglichen. Damit beispielsweise orts- und zeitunabhängiges Arbeiten möglich ist, benötigen die Mitarbeiter entsprechende mobile Geräte sowie laufenden Zugang zu Informationen, zum Beispiel über die Microsoft Cloud. Ebenso wichtig ist aber auch das Umdenken innerhalb der Unternehmen. Vom ersten bis zum letzten Mitarbeiter muss es ein klares Bekenntnis zur Digitalisierung und zum Teilen von Information und Wissen geben. Die Personalabteilung hat in Zukunft noch mehr darauf zu achten, ob die potentiellen Mitarbeiter die notwendigen Qualifikationen für die Arbeit im digitalen Zeitalter mitbringen. Außerdem muss sie dafür sorgen, dass die bestehenden Mitarbeiter immer am neuesten Wissensstand sind.“

CRD_1961(c) Microsoft

Österreich hat Aufholbedarf bei Ausbildung
Was das Thema Wissen bzw. Ausbildung angeht, sieht Ritz in Österreich noch einiges an Aufholbedarf: „ Derzeit finden wir in Österreich noch eine hohe Diskrepanz zwischen der Ausbildung und den Anforderungen des Arbeitsmarktes an künftige Mitarbeiter vor. Durch die digitale Revolution steigt der Bedarf an qualifizierten und gut ausgebildeten Fachkräften und das in jedem Bereich – so auch in der IT.“ Sie schlägt hier in dieselbe Kerbe wie Mahlodji: „Besonders bei der Ausbildung der Lehrlinge ist es daher entscheidend, dass der Unterricht nicht auf die Bedürfnisse von heute, sondern auf die von morgen ausgerichtet ist. Um die Schere zwischen Ausbildung und Arbeitsmarktanforderungen zu verringern, sollten technologierelevante Unterrichtsangebote auf Basis der benötigten Kompetenzen entwickelt werden.“

Links

AMS Report „Zur Digitalisierung der Arbeitswelt“

Was Microsoft unter „Das Neue Arbeiten“ versteht 

Ali Mahlodjis Blog „break.learn.start“

Mehr zu Franz Kühmayer und dem Zukunftsinstitut

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