7. Dezember 2016

Vom Shitstorm zur Humanität: Soziale Arbeit mischt mit in der digitalen Flüchtlingsdebatte von

Wer sich in sozialen Online-Medien zur aktuellen Flüchtlingssituation informieren möchte, macht schnell dramatische und verstörende Erfahrungen: Gerade in Kommentarspalten polarisiert die Auseinandersetzung zum hochbrisanten Thema die öffentliche Meinungsbildung. Man scheint sich zwingend entscheiden zu müssen, ob man ein „Gutmensch“, ein „Realist“ oder gar ein „Volksgenosse“ sein will. Dabei werden nur wenige objektive Argumente, jedoch viele emotionale und teils hasserfüllte Statements verbreitet, was die fundierte Meinungsbildung bei Unentschlossenen eher konterkariert.

Oder anders, persönlicher ausgedrückt: Es ist schlicht unerträglich, mit welcher offenen Häme und Abscheu teils über hilfesuchende Notleidende hergezogen wird. Das dürfen wir uns als Zivilgesellschaft nicht bieten lassen! Die positive, zugewandte, an Menschenrechten ausgerichtete öffentliche Meinung ist eine wichtige Basis für die Ausgestaltung eines friedlichen Miteinanders und damit der Sozialen Arbeit!

Dieser Thematik werden sich nun erneut im kommenden Wintersemester Student_innen der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Salzburg widmen und im Rahmen „forschungsgeleiteter Lehre“ Lösungsansätze erarbeiten:

(1) Auf der Suche nach „bad talk“ und „good talk“ im Netz: Welche typischen Argumentationsmuster bestimmen die aktuelle Flüchtlingsdebatte? (Online-Recherchen)

(2) Welche Motivationslagen bewegen jeweils die „Wortführer_innen“ verschiedener Statements? (Interviews und persönliche Auseinandersetzung)

(3) Welche Antworten bieten sich jeweils an, um die Auseinandersetzung zu objektivieren, zu relativieren und zu versachlichen? (Fachliche Recherchen und Selbstversuch)

(4) Welche Möglichkeiten bestehen, um eine positive, zugewandte, lösungsorientierte Unterstützung zu realisieren? (Humanity-Storm-Selbstversuch) Natürlich müssen für diese Vorgehensweise geschützte Rahmenbedingungen geschaffen werden, die auch die eigene Motivationslage der Student_innen (und des Dozenten) nicht gefährden, sondern unterstützen:

Datenschutz: Hinreichender Datenschutz muss sicherstellen, dass Student_innen in ihrem Engagement nicht selbst Opfer von Shitstorms und Bedrohungen werden.

Objektivität: Die Sammlung von Statements muss auf verlässlicher Basis erfolgen und Zahlen, Daten, Fakten berücksichtigen.

Erklärungsmuster: Die Entstehungsbedingungen von „öffentlicher Meinung“ müssen fachlich hinterfragt und erläutert werden, psychologische und soziologische Hintergrundinformationen können vertiefende Zugänge zum Thema ermöglichen.

Evaluation: Zur Ermöglichung weiterreichenden Engagements müssen Möglichkeiten und Grenzen, aber auch persönliche Betroffenheit und Reaktionen klar abgebildet werden.

Vernetzung: Offene Zusammenarbeit mit bereits vorhandenen Akteur_innen im Netz soll den Schritt von „Einzelkämpfer_innen“ zur „systematischen Einbindung“ sicherstellen.

Nach mehreren Versuchen zum direkten sozialen und humanitären Engagement zusammen mit Student_innen bleiben zwei (persönliche) Statements unbenommen:
• Toleriere niemals Intoleranz!
• Gemeinsam für Menschlichkeit!

 

Dieser Artikel ist dem eBook: Lehrende arbeiten mit dem Netz entnommen.

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