23. März 2015

Was macht eigentlich die Virtuelle Pädagogische Hochschule? – DOSSIER BILDUNG #7 von

Das Bundeszentrum Onlinecampus Virtuelle Pädagogische Hochschule (VPH, gegründet 2012) unterstützt Pädagog_innen beim Erwerben und Vertiefen ihrer „digitalen Kompetenzen“. Das Angebot umfasst Selbstlernmaterialien, Online-Kurse, Online-Workshops, eLectures, innovative Begleitkurse zu MOOCs, Online-Communities und auch klassisches Printmaterial. Trotz aktueller budgetärer Einschränkungen wird die VPH durch das ursprüngliche Zielbild eines „virtuellen, gemeinsamen Lernraums für alle österreichischen Lehrer_innen“ beflügelt. Im Folgenden werden ein kurzer Rückblick gegeben und Highlights aus den jüngeren Entwicklungen der VPH aufgezeigt.

Rückblick, Zahlen und Fakten

Die Schaffung der Virtuellen Pädagogischen Hochschule (kurz „VPH“) gilt vielen aus der E-Learning-Szene als wichtiger Meilenstein und „Zäsur im Bildungssystem“ durch die Verankerung der E-Learning-Fortbildung im Regelwesen (vgl. Dossier Beitrag #2). Das ursprünglich aus der eLISA academy hervorgegangene Bundeszentrum vernetzt die traditionell durch Bundesländergrenzen getrennte Lehrer_innenfortbildung österreichweit im virtuellen Raum.

Organisatorisch ist das Bundeszentrum Onlinecampus Virtuelle Pädagogische Hochschule an die PH Burgenland angedockt. Die Fortbildungsveranstaltungen der VPH sind für alle österreichischen Lehrenden kostenfrei nutzbar. Aktuell sind rund 21.000 registrierte User_innen verzeichnet, immerhin fast ein Fünftel aller Lehrer_innen. Der Bekanntheitsgrad des Fortbildungsangebots der VPH liegt bei Schulleiter_innen und E-Learning-Koordinator_innen gemäß einer aktuellen Umfrage bei  fast 100% und ist für die Verantwortlichen sehr zufriedenstellend.

Die Vision der VPH, einen virtuellen, gemeinsamen Lernraum für alle Lehrpersonen Österreichs zu realisieren, kann am besten dem im Jahr 2013 veröffentlichten Artikel  in Erziehung und Unterricht entnommen werden. Vorrangiges Ziel dieses gemeinsamen Lernraumes war es, eine breite Palette an Inhalten zur Professionalisierung von Lehrkräften virtuell zur Verfügung zu stellen und die jeweiligen Expert_innen diverser Disziplinen dabei zu unterstützen, ihre Materialien dementsprechend aufzubereiten.

Im Schuljahr 2014/15 wurde die VPH beauftragt, den Fokus ihrer Arbeit auf digitale Kompetenzen von Pädagog_innen zu richten (digi.komp) und – orientierend an den anderen österreichischen digi.komp-Initiativen (www.digikomp.at) – Modelle auszuarbeiten, mit denen sich digitale Kompetenzen von Pädagog_innen und Pädagog_innen und -Bildner_innen darstellen und vermitteln lassen. Dabei trifft eine immer größere Nachfrage an virtueller Fortbildung auf begrenzte Ressourcen.

Das Fortbildungsangebot der VPH wird in drei Bereiche gegliedert:

  • Selbstlernkurse und Handreichungen zum Selbststudium (Z.B.das E-Learning 1×1) unter dem Schlagwort „persönlich“.
  • Kooperative Online-Seminare und eLectures unter „gemeinsam
  • Lernen in Netzwerken und Communities unter dem Schlagwort „vernetzt“

Highlights

Kooperative Online-Seminare: Die kooperativen Online Seminare stellen den Kern der Angebots dar und bieten Fortbildung zu Blogs, digitaler Fotografie, E-Portfolios, Lernplattformen, Wissensmanagement für Lehrer_innen und vieles mehr (siehe Katalog). Die Seminare dauern zwischen 1 bis 4 Wochen und werden über Moodle oder LMS.at angeboten, in kleinen Gruppen abgehalten und intensiv tutoriert. Besonders beliebt sind beispielsweise Online-Seminare zu Programmen wie GIMP und Scratch oder das Thema  „Professionell präsentieren“. Für 2015 werden fünf neue Onlineseminare vorbereitet, die von „Urheberrecht für Lehrende“ über „Arbeiten in der Cloud“ und „Selbstdarstellung im Netz“ bis hin zu Werkzeugen „20 Tools in 20 Tagen“ reicht. Astrid Brunner, die für die kooperativen Onlineseminare am Onlinecampus verantwortlich ist, fällt auf, “dass es eine ganze Reihe von ‚Power-UserInnen‘ gibt. Wenn man einmal die Vorzüge dieser Lernform entdeckt hat, wird man leicht ‘süchtig’”, meint sie.

eLectures: eLectures sind einstündige Webinare, die über einen virtuellen Seminarraum in Form einer Videokonferenz mit dem System Adobe Connect via Internet laufen. Sehr beliebt ist z.B.die „Werkstatt Medienpädagogik“ oder aktuelle Themen zum Einsatz von Werkzeugen in iPad-/Tablet-Klassen“. Am Ende jeder eLecture wird Feedback eingeholt, um das Angebot laufend zu verbessern. Die eLectures werden das ganze Jahr über und auch kurzfristig – zu aktuellen zu brennende Fragestellungen angeboten,  beispielsweise auf das Thema der Selbstdarstellung von Jugendlichen auf YouNow.
E-Learning 1×1:  Diese sowohl als Buch als auch als elektronisch verfügbare Unterlage ist eine Basis für den erfolgreichen Einsatz von digitalen Werkzeugen und Medien (www.virtuelle-ph.at/elearning1x1). Alle Materialien stehen unter einer freien Lizenz (CC BY SA) und können so sowohl in der Schule als auch in der außerschulischen Arbeit und der Erwachsenenbildung eingesetzt und weiterentwickelt werden.

Neuere Lernformate
MOOC-Begleitung mit „Digitaler Werkstatt“

2013 entschloss sich die VPH, die Teilnahme am COER13 http://www.coer13.de/, einem MOOC zum Thema offene Bildungsressourcen (OER – Open Educational Resources), durch ein Begleitangebot eigens für österreichische Lehrer/innen attraktiv zu machen und darüber hinaus eine Werkstatt anzubieten, um als Ergebnis der Teilnahme ein gemeinsames „bleibendes Werk“ zu schaffen. Siehe Schummelzettel OER oder  „Bildungsinhalte nutzen – Urheberrechtsprobleme vermeiden“ auf www.virtuelle-ph.at/oer. Hervorzuheben ist der bewusste Ansatz, den Schummelzettel von Lehrenden für Lehrende unter einer Creative Commons Lizenz zu publizieren.

Im Herbst 2014 wurde ein weiterer MOOC von einem VPH-Team und aktiven österreichischen Lehrenden begleitet: Der GOL – Gratis Online Lernen. Auch diesmal soll ein Schummelzettel mit den „Top 100 Gratis Lerntools, die österreichische Lehrer/innen lieben“ erscheinen und der eLearning Community im Rahmen der Sommertagung übergeben werden. Die Ergebnisse dieses Angebots sind online dokumentiert.

Community-of-Practice-Ansatz und Netzwerkdenken

Da sich viele Fragen der Praxis nicht allein durch Kurse und Handreichungen wie oben erwähnte Schummelzettel lösen lassen, ging man einen Schritt weiter und rief rund um das Thema Urheberrecht & Schule eine aktive Community of Practice ins Leben. Ziel ist es, laufend OER-Schätze auszutauschen und schwer lösbare Fälle, die das Urheberrecht in der Schule betreffen, zu diskutieren und abschließend mit einem Juristen aus dem Bildungsministerium zu beurteilen. Die Ergebnisse dieser „Urheberrecht-Fallambulanz“ wurden zusammengefasst und stehen nun auch in kompakten einseitigen Besprechungen zum Nachlesen und für Schulungen zur Verfügung.

Eine weitere Gruppe, die durch die VPH mit Community-Infrastruktur und Community-Know-how unterstützt wird, ist die Gruppe der IT-Kustod_innen der AHS. In diesem Fall ist das Thema die zukünftig neue Rolle als Unterstützer_innen ihrer Kolleg_innen in Sachen E-Learning. Im Wesentlichen konnte man auf Erfahrungen aufbauen, die man in den Foren der Schulkoordinator_innen von eLSA Schulen (Schukoforen) in Punkto gegenseitige Hilfe und gemeinsames Lernen gemacht hatte. Auch die Gruppe aller NMS-Lerndesigner_innen sind seit Jahren im virtuellen Raum verbunden (http://www.nmsvernetzung.at/) und können vom gewachsenen Know-how der E-Learning-Szene profitieren.

Die VPH stellt ihr Know-How und Infrastruktur auch anderen Einheiten zur Verfügung: So übernahm sie die Abwicklung einer Online-Tagung für das Bundeszentrum für Interkulturalität, Migration und Mehrsprachigkeit (BIMM). Die Vernetzung von Akteur_innen und Interessent_innen an diesem bedeutsamen Thema konnte so überregional und kosteneffizient umgesetzt werden: www.virtuelle-ph.at/daz-online.

Die Virtuelle Pädagogische Hochschule trägt so, im Verbund mit den anderen PHen, zur Aus- und Fortbildung österreichischer Lehrenden, insbesondere was digitale Kompetenzen betrifft, bei. An der Schnittstelle zu Schüler/innen und Eltern können mediengebildete Lehrende vieles bewirken. Und in Sachen Medienbildung bleibt noch viel zu tun, siehe  EU Kids Online-Studie (2011).

Die VPH könnte als gut funktionierendes Beispiel zum Vorbild für andere Bereiche der Bildung werden. Insbesondere die Fortbildung der Erwachsenenbildner_innen könnte von einem ähnlichen Angebot profitieren. Entwicklungschancen für die VPH könnten auch in internationalen Kooperationen liegen. Digitale Bildung und Vernetzung können – zumindest bei ausreichenden Sprachkenntnissen – grenzenlos sein.

(Ko-Autorin: Lotte Krisper-Ullyett)

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