9. Dezember 2015

Veränderte Anforderungen an ArbeitnehmerInnen / #Dossier_Arbeitswelt #8 von

Teaser_Dossier_neutral

Die Arbeitswelt verändert sich. Die größten Entwicklungen und Veränderungen haben wir bereits beleuchtet: dabei ging es um die Flexibilisierung von Arbeit, Coworking, die Jobsuche im Netz und Veränderte Berufsbilder.

ArbeitnehmerInnen sind von diesen Veränderungen also auf vielfältige Weise betroffen. Gleichzeitig ändern sich auch die Anforderungen von Umwelt und Arbeitgebern an die ArbeitnehmerInnen. Für alle Beteiligten gilt es daher, die vielseitigen Entwicklungen zu hinterfragen, ihnen zu folgen und damit die Zukunft der Arbeitswelt mitzugestalten.

Katja Piwerka beschreibt die Entwicklung in einem Artikel so: „Noch vor wenigen Jahren war die Arbeitswelt von fixen Strukturen und unflexiblen Abläufen geprägt. Zahlreiche technologische Innovationen und einen rasanten Wandel zur Informations– und Wissensgesellschaft später sind diese Attribute jedoch nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr bestimmen heute Tablets, Laptops und Smartphones unser mobiles Leben und Arbeiten und werden so zum Motor für Produktivität und Kollaboration.“

Immer erreichbar

Das gängigste Schlagwort in Bezug auf die geänderten Rahmenbedingungen für ArbeitnehmerInnen ist „Erreichbarkeit“. Kaum ein Begriff beschreibt die Dynamik der Entwicklung so treffsicher. Für immer mehr ArbeitnehmerInnen ist es gang und gäbe, auch von zu Hause oder unterwegs ihre Mails zu lesen, telefonisch erreichbar zu sein und zwischendurch (mehr oder weniger) kleine Arbeiten zu erledigen. Das klassische Prinzip des Nach-Hause-Gehens und Nicht-mehr-an-die-Arbeit-denken-Müssens scheint passé zu sein. Dass dadurch die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen bringt Vor- und Nachteile mit sich. Denn wer auch von zu Hause, unterwegs oder während des Urlaubs arbeitet, kann sich dafür meist im Gegenzug während der Arbeitszeit private Mails und Telefonate erlauben.

Die Voraussetzung dafür: Die technische Ausstattung der MitarbeiterInnen. Um diese ist es nicht allzu schlecht bestellt, wie aktuelle Studien zeigen. In Österreich verfügen 82,4% aller Haushalte über einen Internetzugang. Mobil sind 76% erreichbar.

Nicht alle ArbeitnehmerInnen, die auch außerhalb des Büros arbeiten, sind mit einem Arbeitsgerät (Smartphone, Tablet, Laptop o.ä.) ausgestattet. Viele von ihnen nutzen ihre privaten Endgeräte, um ihrer Arbeit nachzugehen. „Bring Your Own Device“ (BOYD) ist ein Trend, der vor allem im amerikanischen und asiatischen Raum vorherrscht. Doch auch in Österreich nutzt mehr als die Hälfte aller ArbeitnehmerInnen ihr privates Endgerät zumindest zeitweise für berufliche Zwecke. Dies ist für ArbeitgeberInnen zunächst praktisch, aber auch mit Risiken (etwa Sicherheitsbedenken) verbunden.

Am Puls der Zeit

Voraussetzung für das Arbeiten am Tablet oder Smartphone ist, dass die NutzerInnen das Gerät bedienen können. Auch in diesem Bereich sind starke Veränderungen beobachtbar. War es noch vor 10 Jahren üblich, am PC mit Office-Programmen umgehen zu können, haben sich die Anforderungen weiterentwickelt: Sie reichen oft von der Nutzung unterschiedlicher Betriebssysteme über das Handling von Netzwerk-Problemen bis hin zum Handling firmeninterner Programme und Services, auf die die ArbeitnehmerInnen auch von unterwegs zugreifen können müssen. Diese steigenden Anforderungen bestärken das Bild, dass das ständige Am-Puls-der-Zeit-Bleiben ein zentraler Aspekt im Arbeitsleben ist. In Deutschland stimmten 66,5% in einer Befragung der Aussage zu, dass sich ArbeitnehmerInnen sich ständig weiterbilden müssten, um mithalten zu können.

Flexibel und mobil

Mit der bereits genannten Erreichbarkeit von ArbeitnehmerInnen verbunden ist der Begriff der Flexibilität. Arbeitszeit und Freizeit verschwimmen miteinander, eine Trennung der beiden Bereiche wird zusehends schwieriger. Diese Entwicklung verlangt den MitarbeiterInnen von Unternehmen zwei Kernkompetenzen ab: Belastbarkeit und ein hohes Maß an Selbstorganisation bzw. Selbstständigkeit.

Auch die Zusammenarbeit mit KollegInnen muss aus diesem Blickwinkel neu gedacht werden: Angelika Molk und Josef Schrefl beschreiben in ihrem Beitrag „Co-Creation – Online Zusammenarbeit“ Möglichkeiten und Tools, durch die die Zusammenarbeit vereinfacht wird, wie zum Beispiel Google Docs und Dropbox. Die entsprechenden Kenntnisse dafür eignen sich die ArbeitnehmerInnen meist im Selbststudium an.

Schutz der ArbeitnehmerInnen

All diese Aspekte zeigen, wie stark sich ArbeitnehmerInnen an geänderte Bedingungen in der Arbeitswelt durch die Digitalisierung angepasst haben und davon profitieren. Wenn der Spagat zwischen Arbeitsleben und Freizeit gelingt, können beiden Bereiche individualisiert und optimiert werden. Gelingt dies nicht, können gesundheitliche Probleme die Folge sein. In einer Umfrage gaben 18% an, im Berufsleben regelmäßig an ihre Leistungsgrenze zu stoßen. Eine richtige Balance zu finden, ist hier die Herausforderung. Manche Arbeitgeber erkennen die Gefahr und schaffen Abhilfe: MitarbeiterInnen von Daimler können beispielsweise ihre Mails während des Urlaubs löschen lassen. Diese Maßnahme soll Stress für die 100.000 MitarbeiterInnen reduzieren. Volkswagen verfolgt eine ähnliche Strategie: Hier werden Mails nach Feierabend nicht mehr zugestellt, um die ArbeitnehmerInnen zu entlasten.

Die neue Arbeitswelt

Erreichbarkeit, Flexibilisierung und Selbstständigkeit sind Begriffe, die die Arbeitswelt der Zukunft beschreiben. Wie wir mit diesen Entwicklungen umgehen, hängt von den Unternehmen und ArbeitnehmerInnen selbst ab. Eines ist jedoch sicher: auch künftig werden uns neue Technologien, Features und Tools unsere Arbeit erleichtern – oder eben unsere Freizeit erschweren.

Quellen:

Statistik Austria – IKT-Einsatz in Haushalten

Statistik Austria – IKT-Einsatz in Unternehmen

Das neue Arbeiten (pdf) 

Bring Your Own Device – wie kann eine betriebliche Regelung aussehen?

Der Trend zu „Bring Your Own Device“ (Wirtschaftsblatt)

Statista: Einschätzung von Arbeitnehmern zu steigenden Anforderungen am Arbeitsmarkt 

Überforderung: Wachsende Anforderungen gefährden die Gesundheit 

Daimler-Mitarbeiter können Mails automatisch löschen lassen (FAZ)

Keine E-Mails mehr nach Feierabend (Handelsblatt)

1 Kommentar

  1. Helmut Karas sagt:

    Die Überschneidungen zwischen privat und beruflich führen zu massiven Defiziten beim sicheren Umgang mit Daten. Es ist meist unklar, welche Daten das Unternehmen verlassen und wo sie landen. In einer digitalen Zukunft ist aber der saubere und effiziente Umgang mit Daten wesentlich für jedes Unternehmen. KundInnen verlieren das Vertrauen, wenn Unregelmässigkeiten bekannt werden. Die „Rechnung“ kommt, wenn der Mitbewerb verlässlicher wahrgenommen wird. UnternehmerInnen sollten unbedingt herausfinden, wie riskant sie unterwegs sind und wie KundInnen zwischen den MarktteilnehmerInnen ihre Auswahl treffen. Sicherheit ist ein zentraler Begriff, der sehr subjektiv und oft ganz unbewusst mitspielt. Wer hier Fehler macht, sollte über die Konsequenzen zumindest bescheid wissen. #digitale #Kompetenz ist auch das Verstehen der erwarteten Datensicherheit der KundInnen. #cloud und #BYOD lassen sich mit vernünftiger #compliance als Mehrwert für alle Beteiligten gut vermitteln. http://www.securitycoach.at Helmut Karas

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